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Montag, 5. September 2011

Warum Speicher ein Problem werden

Wenn Stromerzeuger bisher über Speicher gesprochen haben, dann haben sie ein Ziel verfolgt, die Kraftwerke möglichst gleichmäßig laufen zu lassen und den unterschiedlichen Strombedarf im Lauf eines Tages auszugleichen. Konventionelle Kraftwerke wie Kohlekraftwerke schaltet man nur ungern ab. Der Grund liegt in den hohen Kosten beim wieder Hochfahren. Das Anheizen eines Kohlekraftwerks kostet bis zu 50.000 €. Ein Betrag, für den es sich sogar manchmal lohnt, den Strom nicht nur zu verschenken, sondern den Abnehmern sogar Geld zu zahlen, wenn sie Strom verbrauchen, anstelle eines Abschaltens des Kraftwerks. Die Situation bei Kernkraftwerken ist genau gleich, genaugenommen sogar noch ungünstiger, man will das Kraftwerk nicht herunterfahren, sondern im Dauerbetrieb laufen lassen, was auch mit dem Wort Grundlastbetrieb beschrieben wird.
Nachtstrom
Da schon bisher die Menschen in der Nacht weniger Strom verbraucht haben, als am Tag, wurden zwei Ausweichstrategien gefahren. Einerseits hat man in der Nacht den Strom einfach billiger angeboten und damit Elektrospeicherheizungen gefördert. Zu anderen hat man Speicherkraftwerke gebaut, die Nachts Wasser von einem tiefer gelegenen Gewässer in einen hochgelegenen See gepumpt haben. Im Lauf des Tages hat man das Wasser wieder über eine Turbine geleitet und damit insbesondere in der Mittagszeit Strom erzeugt.
Da der Strom tagsüber sehr viel teurer ist, als Nachts, kann man einen gewissen Gewinn einfahren, sagen wir mal jeden Tag 1.000 Euro, im Lauf eines Jahres somit 365.000 Euro. Und betreibt man die Anlage 40 Jahre lang, was in der Energiewirtschaft üblich ist, so kann man damit theoretisch ein Speicherkraftwerk für 14.600.000 finanzieren. Eine relativ einfache Rechnung, die oft aufgegangen ist.
Zeitalter der Erneuerbaren
In Zeitalter der erneuerbaren Energie liegt jetzt eine völlig andere Situation vor. Strom wird dann erzeugt, wenn die Sonne scheint oder wenn der Wind weht. Manchmal dauert es einige Tage bis die Sonne mal wieder scheint, manchmal weht der Wind eine Woche stark und mehrere Wochen Flaute folgen. Betreibt man einen Speicher, kann man wieder den günstigen Strom kaufen, der jetzt günstig ist, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Und man verkauft den Strom wenn die Sonne und der Wind kaum Energie produzieren. Gehen wir mal davon aus, dass wir unseren Speicher sechsmal im Jahr füllen können und ebenso oft wieder den Strom teuer verkaufen können. Dann haben wir, bei gleichen sonstigen Bedingungen sechs mal 1.000 Euro im Jahr eingenommen (das sind 6.000 Euro). Nach 40 Jahren sind das 240.000 Euro. Eine Menge Geld für eine Person, aber natürlich bei weitem nicht genug um eine Anlage wie oben beschrieben, die 14 Millionen kostet, zu betreiben!
Lösung
Im ersten Moment würde man sagen, dann baut man halt keinen Speicher, aber das ist natürlich keine Lösung. Was passiert, ist, dass der Strompreis entweder so stark schwankt, bis sich sogar die schlecht ausgelastete Speicheranlage lohnt oder es werden Speicher gebaut, die viel billiger sind.
Beachten wir mal die Preisspanne, gehen wir davon aus, dass bisher eine Schwankung von 0,05 Euro im Strompreis das Speicherwerk finanziert hat, dann muss in Zukunft der Strompreis um 3 Euro!! schwanken (0,05*365/6). Statt bisher vielleicht 0,20 ct kostet dann eine Kilowattstunde manchmal 3 Euro, an anderen Tagen dann wieder eher 2 ct.
Die Sache wird aber leider noch viel ungünstiger, und das liegt an den Standorten der Pumpspeicherkraftwerke. Alle einigermaßen günstigen Standorte sind bereits verbraucht, neue Pumpspeicher stoßen auf große Widerstände aus der Bevölkerung. Damit muss man auf andere Speichertechniken wie Batterien ausweichen, aber dort sind die Preis pro Speichereinheit noch viel teurer. Wie dieser Teufelskreis gelöst wird, darf jeder gespannt verfolgen.

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