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Freitag, 11. Dezember 2015

Tesla, Teil 2, Fahrbericht

Tesla auf großer Fahrt

Nachdem ich gleich nach dem Kauf des Tesla S 85D über meine Einschätzung des neuartigen Batterieautos berichtet habe, folgt jetzt ein ausführlicherer Bericht über den Fahralltag.

Eine Reise über 1400 km

Kürzlich musste ich eine Reise nach Brüssel zum Empfang der European Association for Storage of Energy (EASE) durchführen. Mir standen drei Möglichkeiten zur Verfügung, Flugzeug, Bahn oder Auto. 

Mit dem Flugzeug brauche ich etwa 5 Stunden, inklusive Anreise, Abfertigung und Wartezeiten am Flughafen, sowie Taxi zum Ziel in Brüssel. Da aber nicht jede Stunde ein Flieger geht, muss ich für Anreise und Abreise aus eigener Erfahrung jeweils 10 Stunden einrechnen, die Wartezeit im Hotel ist da eingerechnet. 

Mit der Bahn ist die Anreise "nur" 7 Stunden, aber mit viermal Umsteigen verbunden, was zumindest nicht bequem ist und das Risiko einer erheblichen Verspätung wegen eines versäumten Anschlusszugs deutlich steigert. Zudem kostet diese Reise in der 1. Klasse erhebliche 500 Euro!

Der neue Supercharger in Erftstadt liegt direkt an einem Umspannwerk,
hier gibt es noch Ausbaupotential! 

Bleibt die Fahrt mit dem Tesla, die reine Fahrtzeit ist zwar mit 8 Stunden auch lange, allerdings kann ich den Abfahrtszeitpunkt optimieren. Die reinen Reisekosten liegen dann im Wesentlichen in den Stromkosten, bei der Abfahrt fahre ich "vollgetankt" los, damit sind 85kWh Strom in der Batterie die bei meinem Elektrizitätswerk 22€ Kosten, das Aufladen auf der Reisestrecke an den Superchargern ist kostenlos!

Um die Kosten der Reise noch weiter zu senken und um keine langweilige Reise zu haben, nehme ich insgesamt vier Personen über das Portal BlaBlaCar auf unterschiedlichen Streckenabschnitten mit, die zusammen sogar 70€ zahlen, insofern ist die Reise fast "Kostenneutral".

Planung der Reise

Wenn man in den Tesla steigt und ein Reiseziel angibt, dann berechnet das Auto automatisch eine Route, die an verschiedenen Superchargern Haltezeiten einberechnet um die Batterie geeignet aufzuladen. Für die Reise bis Brüssel waren das drei Haltepunkte. Auf der Reise habe ich dann aber bemerkt, dass das Auto sehr vorsichtig in der Planung ist und lieber etwas zu früh als zu spät einen Aufladehalt einplant. 

Leider hatte ich in Brüssel kein Hotel mit destination Charger, jener sehr praktischen Einrichtung, die über Nacht das Auto wieder komplett volllädt, somit musste ich vor Brüssel etwas mehr laden um am Morgen wieder weiterfahren zu können. Damit ist ein Halt von 20 Minuten gemeint, um die Batterie wieder auf etwa 60% aufzuladen. Man hält ja zumeist mit einer Restladung von 10% an der Ladestelle, in 20 Minuten werden etwa 50% der Batterie geladen. Ein Aufladen auf 100% ist nicht optimal, da die letzten kWh sehr langsam geladen werden, das liegt am Ladeverhalten der Batterie. 

Die Fahrt

Für die bequeme Ansteuerung der Zustiegspunkte meiner Mitfahrer habe ich diese in meinem Googlekalender notiert. Am großem Display im Tesla erscheint dann der erste Zustiegstermin und durch anklicken navigiert mich das Auto dort hin. Schön wäre, wenn BlaBlaCar diese Daten automatisch als Datensatz überspielen würde. 

Nach dem erreichen der Autobahn hinter Strassburg kann man dann bequem auf Autopilot stellen und sich ganz den Geprächen mit seinen Mitfahrern widmen. Das geht in Frankreich gut, da dort die Geschwindigkeit einheitlich bei 120 km liegt und somit das Überholen praktisch entfällt. Normalerweise "hängt" man hinter einen Lieferwagen (Windschatten!) und das Auto übernimmt außerordentlich zuverlässig die Steuerung. 

Eine Ausnahme stellen die Mautstationen dar, hier muss man definitiv selbst an das Steuer um eine Durchfahrt anzusteuern. Hinter der Mautstation kann man dann in weniger als vier Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, sehr zur Belustigung der Beifahrer.

Nach etwa vier Stunden Fahrt wird der erste Supercharger angesteuert. Der erste liegt hinter einem guten Hotel. Im Hotel kann man sich frisch machen und einen ersten Cappuccino zu sich nehmen. Freundlicherweise gibt es dort freies WLAN und einige EMails können abgearbeitet werden, das geht während des Fahrens dann doch nicht.
Alle angesteuerten Supercharger ermöglichten es, dort zumindest einen Kaffee zu trinken, bei einem, einer Tesla Lounge nahe Antwerpen in Belgien, war er sogar frei, erinnerte mich stark an die Lounge am Bahnhof für 1. Klasse Kunden.

Die regelmäßigen Halte hat ein Mitfahrer mit den Kommentar "Das passt gut zur Slowfood Bewegung" Reisen wird wieder ein Reisen und nicht nur eine reine Hetze. Ich kann nicht sicher sagen ob meine  Anspannung, die ich bisher immer am Ende einer sehr langen Autofahrt hatte dadurch wegblieb, dass ich regelmäßig einen Halt eingelegt habe oder dass ich nicht immer mit voller Konzentration auf die Rücklichter der voranfahrenden Autos achten musste, vermutlich beides. Auf jeden Fall bin ich sehr erholt am Ziel und später wieder zuhause angekommen.

Was könnte besser sein?

Jedes Produkt kann man verbessern. Beim Tesla sehe ich Potential in einer genaueren Einschätzung des Energieverbrauchs des Motors. Neben der Geschwindigkeit spielt es eine erhebliche Rolle, inwiefern der Wind, auch der Fahrtwind anderen Fahrzeuge, den Energieverbrauch verändert. Dies könnte man gegebenenfalls in die Kalkulation einbeziehen. Insbesondere auf der Autobahn hatte meine Batterie immer noch erhebliche Reserven, als ich den Supercharger angesteuert habe.

Ähnlich ist es mit Bergen, ich musste am Schluss einen Pass mit 850 Höhenmeter überwinden. Vom eGolf weis ich, dass dieser diese Daten zumindest früher nicht berücksichtigt hat und ein Kollege blieb in der Nacht im Schwarzwald wegen einer Fehlprognose ohne Strom liegen. Tesla rechnet die Steigung offensichtlich großzügig ein, jedenfalls hatte ich zuhause noch 100 km "Reserve" in der Batterie. 

Die Organisation von Mitfahrern bei BlaBlaCar ist leider noch nicht optimal. Im Prinzip könnten diese Daten direkt mit dem Terminkalender und den Routenkoordinaten gekoppelt werden, so dass der Fahrer weis, wo und wann er genau hinfahren soll, zudem würde ein Feedback über die vermutliche Ankunftszeit des Fahrers dem Beifahrer beim Warten helfen. 

Fazit

Die große Ausfahrt mit einem Elektroauto das 500 km Reichweite hat ist dank der Supercharger gut möglich. Für Menschen, die viele Stunden mit über 150 km/h auf der Autobahn zu rasen gewohnt sind, ist entweder eine Umstellung nötig oder diese Menschen müssen noch eine Weile warten, bis auch 1000 km am Stück mit einem Elektroauto möglich sind.

Hier geht es zum Teil 1: Tesla, mehr als ein Elektroauto
Und eine Analyse zur Reichweite des Tesla

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ihre Langstreckenfahrt ist ein schönes Beispiel, dass E-Mobilität schon heute möglich ist, wenn es als System aus Fahrzeug und passender Infrastruktur geplant und aufgebaut ist. Ich hoffe dass die anderen Autobauer die ein ambitioniertes E-Auto Programm haben (Nissan-Renault, BMW, Volkswagen) endlich auch in die nötige Infrastruktur investieren und nicht auf andere "Mitspieler" wie z.B. die Energieversorger oder die öffentliche Hand hoffen, dass diese die Infrastruktur schon irgendwann aufbauen.
    Eine interessante Möglichkeit für eine mobile Ladeeinheit hat die Firma Freewire entwickelt, mit der die Auslastung der Ladeeinheiten verbessert werden kann:
    http://www.freewiretech.com/how-it-works/
    Ideal wäre ein autonomer Laderoboter. Nicht ganz unrealistisch.

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  3. Nachtrag:
    Interessant wäre für mich noch, welche Energiemenge der Tesla insgesamt für so eine Fahrt verbraucht hat. Die E.-Menge die das Auto aus dem Akku entnommen hat bzw. die E.-Menge am Ladestecker, falls sich die irgendwie ermitteln lässt.

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    1. Die Energiemenge für so eine Fahrt kann man sehr gut angeben. Da ich mit etwas über 20kWh/100km fahre, brauche ich für die Strecke von 1400km 280kWh. Am eigenen Stecker und beim Laden gehen durch Wechselrichtung und Batterieladespannung vermutlich etwa 10% als Wärme verloren.
      Bei einem Verbrennermotor gehen 80% als Wärme verloren!

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    2. Aus welchem Kraftwerk beziehen sie den Strom für ihren Tesla Herr Heindl?
      Wieviel "Prozent" gehen da wohl durch Wärme verloren?
      Das sind doch Rechnungen nach dem Prinzip "Milchmädchen" die sie uns hier präsentieren!

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  4. Der Kraftwerksmix in Deutschland ist nicht so CO2 arm wie in den USA, trotzdem sind die Gesamtemissionen pro 100km geringer als bei einem Verbrennungsmotor.
    Zudem keine weiteren Dreck wie Feinstaub, NOx, siehe auch http://www.kfztech.de/kfztechnik/motor/abgas/abgaswerte.htm
    Und dabei ist das, was beim Diesel auf dem Prüfstand gemessen wird nicht die ganze Wahrheit!
    Wer Ökostrom kauft hat scheinbar keine CO2 Emission aber nutzt indirekt auch die Kohlekraftwerke (Nachts bei Windstille), daher habe ich einen normalen Stromtarif.

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