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Sonntag, 22. Dezember 2024

Prof. Dr. Stephanie Fiedler im Energiegespräch

Prof. Dr. Stephanie Fiedler im Energiegespräch über Aerosole

Das vollständige Gespräch mit Frau Prof. Stephanie Fiedler bei YouTube.

1. Einleitung und Hintergründe
In diesem Gespräch treffen wir auf Professor Dr. Stefanie Fiedler, eine Meteorologin mit beeindruckender Laufbahn: PhD in Leeds (Großbritannien), Stationen am Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie in Hamburg und seit 2023 Leiterin der Abteilung Maritime Meteorologie am GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Zudem ist sie seit November 2024 Kodirektorin am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg. Das Gespräch dreht sich in weiten Teilen um Aerosole in der Atmosphäre, ihre verschiedenen Quellen und ihre Rolle im Klimasystem. Ferner geht es um die Wechselwirkung zwischen Land, Meer, Wetter und Klima – insbesondere im Hinblick auf Staubemissionen aus Wüsten.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei, wie Aerosole und Klimaschutzmaßnahmen (z. B. Schwefelreduktion in Schiffsabgasen) zusammenhängen und welche Auswirkungen sie auf regionale und globale Skalen haben. Den roten Faden bildet die Frage, was die Forschung an Bord eines Forschungsschiffs im tropischen Atlantik an neuen Erkenntnissen über Aerosole und Klima bringen kann.


2. Was sind Aerosole und warum sind sie so wichtig?
Aerosole sind feinste Teilchen in der Luft, die entweder natürlich (z. B. Wüstenstaub, Seesalz, Pollen, Vulkanausbrüche) oder anthropogen (z. B. Rußpartikel aus Verbrennungsmotoren, Schwefeldioxid aus Kraftwerken) entstehen. Oft sind sie unsichtbar, können aber unter bestimmten Bedingungen als Dunst, Nebel oder Feinstaub erkennbar sein.

  • Vielfältige Zusammensetzung
    Von mineralischen Partikeln (z. B. Quarzstaub) über Seesalz bis zu Ruß oder Pollen: Aerosole variieren stark in ihrer Größe und chemischen Struktur. Manche bilden sich aus gasförmigen Vorläuferstoffen erst in der Luft (z. B. Schwefeldioxid, das zu Sulfatpartikeln reagiert).

  • Klimatische Wirkung
    Aerosole reflektieren oder absorbieren kurzwellige Sonnenstrahlung. Feine Sulfatpartikel streuen beispielsweise einfallendes Licht und kühlen die bodennahe Atmosphäre. Rußpartikel hingegen absorbieren Strahlung und können bestimmte Luftschichten aufheizen. Insgesamt führen Aerosole – vor allem anthropogene Feinstäube – tendenziell zu einer Abkühlung und „maskieren“ somit regional betrachtet Teile der treibhausgasbedingten Erwärmung.

  • Einfluss auf Wolkenbildung
    Wolkentropfen benötigen Kondensationskeime, also Aerosolpartikel, an denen sich Wasser anlagert. Eine höhere Partikelzahl kann zu mehr, aber kleineren Tröpfchen führen; das erhöht die Wolkenhelligkeit (Albedo) und verstärkt die reflektierte Strahlungsleistung.

  • Gesundheitsaspekt
    Feinstaub ist eine ernste Belastung für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Regionen (z. B. Holzverbrennung) kann die Luftqualität stark abnehmen.


3. Wüstenstaub als Düngemittel und Klimafaktor
Ein Kernaspekt des Gesprächs sind Wüstenstaub-Ereignisse, insbesondere aus der Sahara:

  • Transport über Ozeane
    Wüstenstaub kann dank stabiler Luftströmungen („Saharan Air Layer“) über tausende Kilometer verfrachtet werden – etwa von Afrika bis nach Südamerika. Charakteristisch sind dabei größere Staubausbrüche im Frühjahr, die man z. B. als rötlichen Belag auf Autos in Südeuropa bemerkt.

  • Düngereffekt und Wechselwirkung mit marinen Ökosystemen
    Staubpartikel enthalten Mineralien, die im Ozean als Nährstoffe fungieren. Dadurch können sie Algenwachstum (Planktonblüten) fördern, was wiederum den Kohlenstoffkreislauf beeinflusst. Manche Regionen sind „eisenarm“, sodass Staub mit Eisenanteilen ein wichtiger Trigger für verstärkten Pflanzenwuchs ist.

  • Unklare Zukunft
    Wie sich Wüstenstaub-Emissionen bei fortschreitendem Klimawandel verändern, ist wissenschaftlich bislang nicht abschließend geklärt. Klimamodelle mit grobem Gitter (z. B. 100 km Auflösung) erfassen mesoskalige Phänomene wie Wüstenstürme nicht detailgenau. Ob Dürren und sich verändernde Vegetationszonen zu mehr oder weniger Staubtransport führen, bleibt Gegenstand intensiver Forschung.


4. Forschung auf hoher See: Die bevorstehende Expedition
Professor Fiedler und ihr Team planen eine ausgedehnte Schiffsexpedition im tropischen Atlantik (Januar bis März), um die Dynamik und Zusammensetzung von Aerosolen zu untersuchen.

  • Ziele und Routen

    1. Start in Brasilien, dann Querung der tropischen Konvergenzzone (ITCZ), wo Nord- und Südpassate zusammenströmen und häufig Niederschläge auftreten.
    2. Entlang der Westafrika-Küste bis hoch zu den Kapverdischen Inseln. Dort findet ein Teamwechsel statt, ehe die Reise weiter in eine aufquellende Ozeanregion nahe der Küste Westafrikas führt.
  • Methoden
    An Bord kommen verschiedene Messinstrumente zum Einsatz:

    • Partikelsammler: zur Bestimmung von Größe, Form und chemischer Zusammensetzung der Aerosole (z. B. anhand von Klebefolien oder Filtern).
    • Fernerkundung: Lidar- oder Ceilometer-Systeme, die Laserpulse aussenden und aus dem Rückstreusignal die vertikale Struktur der Staubschichten ableiten.
    • Ballons (Radiosonden): klassisch meteorologische Datenerfassung (Temperatur, Feuchte, Wind) bis in größere Höhen, gleichzeitig Validierung der Fernerkundungsdaten.
  • Warum so aufwendig?
    Über Satelliten erhält man zwar globale Bilder, doch Wolken verdecken oft die Aerosole darunter. Außerdem müssen aus den reinen Strahlungsmessungen erst mithilfe von Modellannahmen Rückschlüsse auf Partikelkonzentration, -art und -höhe gezogen werden. Die direkte, boden- oder schiffsgestützte Messung in Kombination mit Ballon- und Fernerkundungsdaten liefert somit „Ground Truth“ – unverzichtbar für die Weiterentwicklung von Klimamodellen und Wettervorhersagen.


5. Klimawandel, Modelle und Ausblick
Die Gesprächspartner erörtern abschließend, wie sich die Forschungsergebnisse in das große Ganze des Klimawandels und der Energieversorgung einfügen.

  • Kurzlebige Klimafaktoren und Maskierung der Erwärmung
    Anthropogene Aerosole wirken zwar kühlend, sind aber gesundheitsschädlich und gelten als „vorübergehender“ Effekt: Der Ausstoß dieser Partikel sinkt in vielen Regionen (z. B. China), weil saubere Luft angestrebt wird. Man rechnet damit, dass dieser „Schirm“ künftig dünner wird, sodass die eigentliche, CO₂-getriebene Erwärmung noch deutlicher sichtbar wird.

  • Klimamodelle und Unsicherheiten
    Viele Prozesse (z. B. Wolkenmikrophysik, Rückkopplungen in kleinräumigen Staubstürmen) sind in globalen Klimasimulationen nicht genügend aufgelöst. Neuere Ansätze mit künstlicher Intelligenz (KI) können helfen, Lücken zu schließen oder Berechnungen zu beschleunigen. Dennoch benötigt man weiterhin präzise Beobachtungen, um die Parameter in den Modellen realistisch zu halten.

  • Erneuerbare Energien und Dunkelflauten
    Neben ihren Forschungen an Aerosolen und Klima beschäftigt sich Dr. Fiedler auch mit Fragen zu Dunkelflauten (langen Phasen ohne Wind und Sonne), die für die Energieversorgung zentrale Herausforderungen darstellen. Solche Ereignisse erfordern Speicherung und Netzausbau – und sind meteorologisch gesehen keine spektakulären Extremwetterereignisse, aber entscheidend für ein stabiles Energiesystem der Zukunft.

  • Zukünftige Forschung
    Ob Staubtransport, Ozeanströmungen, Atmosphäre-Ozean-Interaktionen oder klimarelevante Prozesse in verschiedenen Schichten: Das Zusammenspiel ist komplex. Interdisziplinäre Expeditionen und Modellierungen sind Schlüssel, um verlässliche Szenarien für das 21. Jahrhundert zu entwickeln.


Fazit
Das Gespräch verdeutlicht eindrucksvoll, wie vielschichtig die Erforschung der Atmosphäre ist – mit Aerosolen als einem zentralen Puzzleteil, das lokale Luftqualität, Wolkenbildung, Ozeandüngung und letztlich das globale Klima prägt. Professor Dr. Stefanie Fiedlers anstehende Schiffsmission in den tropischen Atlantik ist ein Beispiel dafür, wie aufwendige Feldkampagnen und modernste Messtechnik helfen, offene Fragen zu klären. Die Daten sollen sowohl das Detailverständnis von Staub- und Partikeldynamiken verbessern als auch langfristig in Klimamodelle einfließen, damit künftige Projektionen präziser und verlässlicher werden.

Ob es um die globale Düngung des Amazonasgebiets durch Sahara-Staub, regionale Klimaeffekte durch anthropogene Sulfatpartikel oder die Herausforderungen eines energiewendedominierten Stromnetzes geht: Forschung wie die von Stefanie Fiedler trägt dazu bei, die Zusammenhänge besser zu verstehen – und damit die Basis für fundierte Klimapolitik und nachhaltige Energieversorgung zu legen.

Die vollständige Liste aller Energiegespräche finden Sie hier: https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html



Samstag, 3. August 2024

Prof. Dr. Martin Heimann

Prof. Dr. Martin Heimann: Kohlenstoffkreislauf und Klimawandel

Zusammenfassung des Energiegesprächs mit Prof. Dr. Martin Heimann. Er ist Director Emeritus am MPI Biogeochemie in Jena. Seine Forschung liegt im Bereich globaler Kohlenstoffkreislauf, Methan, Permafrost. 

Das ganze Gespräch mit Prof. Dr. Martin Heimann auf YouTube.

Einführung in den Kohlenstoffkreislauf

Der Kohlenstoffkreislauf ist ein zentrales Thema in der Klimaforschung, da er maßgeblich zur Regulierung der Erdatmosphäre beiträgt. Er umfasst die Aufnahme und Freisetzung von CO₂ durch Pflanzen, Ozeane und den Boden. Die natürliche Aufnahme von CO₂ durch Fotosynthese und die Speicherung in Wäldern und Böden stehen den menschlichen Emissionen gegenüber.

Auswirkungen von Wald- und Landnutzung

Die Landnutzung spielt eine entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf. Wälder fungieren als Kohlenstoffsenken, indem sie CO₂ aufnehmen und speichern. Aufforstungsprojekte können temporär zur Reduktion von atmosphärischem CO₂ beitragen, während Abholzung in den Tropen zu erhöhten Emissionen führt. Die Bewirtschaftung von Wäldern und die Nutzung von Holz als Baustoff oder Brennmaterial beeinflussen die Kohlenstoffbilanz erheblich.

Rolle der Ozeane

Ozeane sind die größten Kohlenstoffspeicher und nehmen CO₂ sowohl durch physikalische als auch durch biologische Prozesse auf. Die Dissoziation von CO₂ im salzhaltigen Meerwasser führt zu einer langfristigen Speicherung in Form von Bikarbonat und Carbonat. Die biologische Pumpe, durch die Plankton CO₂ aufnimmt und in tiefere Wasserschichten transportiert, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Modellierung des Kohlenstoffkreislaufs

Zur Vorhersage der CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre werden verschiedene Modelle verwendet. Das Berner Modell beispielsweise beschreibt die Verteilung von CO₂ zwischen Atmosphäre, Ozeanen und Landbiosphäre. Es berücksichtigt physikalische, chemische und biologische Prozesse und hilft, zukünftige CO₂-Konzentrationen unter verschiedenen Emissionsszenarien zu prognostizieren.

Unsicherheiten und Herausforderungen

Die größte Herausforderung in der Modellierung des Kohlenstoffkreislaufs liegt in der Komplexität der Prozesse und der Unsicherheit der Daten. Unterschiede in der regionalen Vegetation, Bodenbeschaffenheit und klimatischen Bedingungen führen zu variierenden Kohlenstoffflüssen. Besondere Unsicherheiten bestehen in den Permafrostregionen, wo tauender Boden Methan freisetzt, ein Treibhausgas, das viel stärker als CO₂ wirkt.

Zusammenfassung

Der Kohlenstoffkreislauf ist komplex und wird durch natürliche und menschliche Aktivitäten beeinflusst. Wälder und Ozeane spielen als Kohlenstoffsenken eine wichtige Rolle, während menschliche Aktivitäten wie Abholzung und Verbrennung fossiler Brennstoffe zu einer erhöhten CO₂-Konzentration führen. Modelle wie das Berner Modell helfen, diese Prozesse zu verstehen und zukünftige Entwicklungen vorherzusagen, obwohl Unsicherheiten bestehen bleiben, insbesondere in Bezug auf regionale Unterschiede und zukünftige Emissionen.

Die vollständige Liste aller Energiegespräche finden sich hier:

https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html