Weitere Blogs von Eduard Heindl

Innovationsblog neue Ideen | Some Science my research | Energiespeicher Bedeutung und Zukunft | Energy Age the big picture (engl.)
Posts mit dem Label Solarenergie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Solarenergie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. August 2025

Prof. Dr. Andreas Bett

Prof. Dr. Andreas Walter Bett: Pionier der Solarforschung

Prof. Dr. Andreas Walter Bett, geboren am 25. April 1962 in Furtwangen, ist ein renommierter deutscher Physiker und Solarforscher. Als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg und Professor für Solare Energie – Materialien und Technologien an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den 17. Europäischen Becquerel-Preis für herausragende Leistungen in der Photovoltaik, den EARTO-Innovationspreis für höchsteffiziente Konzentratorsolarsysteme und 2023 den Forschungspreis der Werner Siemens-Stiftung für das Projekt zur höchsteffizienten Erzeugung von Strom und Wasserstoff aus Solarenergie. Im Gespräch mit Prof. Dr. Eduard Heindl teilt er Einblicke in seine Karriere und die Entwicklungen am ISE, das 1981 gegründet wurde und heute rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Bett, der aus dem Schwarzwald stammt, studierte Physik und Mathematik in Freiburg und fand über eine Diplomarbeit zu Halbleitermaterialien den Weg zur Solarenergie. "Ich habe mich dann entschieden zu promovieren und bin am Institut hängen geblieben", reflektiert er über seinen Einstieg, der von der Vision des Institutsgründers Prof. Goetzberger geprägt war, eine Energiewende voranzutreiben – inspiriert von der Ölkrise und Grenzen des Wachstums, nicht als Hype, sondern als Notwendigkeit.

Den vollständigen Vortrag finden Sie auf YouTube.

Geschichte und Mission des Fraunhofer ISE

Das ISE hat eine bewegte Geschichte: Von den Anfängen mit 60-70 Mitarbeitern in den 1980er Jahren bis zu kritischen Phasen in den 1990er Jahren mit Finanzierungsproblemen wuchs es zu einem Weltrekordhalter in der Photovoltaik. Bett betont die angewandte Forschung in Kooperation mit der Industrie, ergänzt durch wissenschaftliche Exzellenz und universitäre Anbindungen. Mit einem Budget von 150 Millionen Euro jährlich finanziert sich das Institut zu 10% aus Grundmitteln, der Rest aus Projekten und Industrieaufträgen (aktuell 25% direkt von der Industrie). Die Mission: Erneuerbare Energien weltweit vorantreiben, mit Fokus auf Systeme, nicht nur Zellen. Bett beschreibt Phasen von Aufschwung und Rückschlag, wie nach dem EEG in den 2000er Jahren, und hebt die intrinsische Motivation der Mitarbeiter hervor: "Die Leute kommen hierher, weil sie an einem Projekt mitarbeiten wollen, wo sie wirklich eine hohe intrinsische Motivation haben."

Solarzellentechnologien: Von Silizium zu Mehrfachzellen

Silizium dominiert den Markt wegen seiner Verfügbarkeit und Effizienz – das ISE spielte eine Schlüsselrolle bei der Steigerung des Wirkungsgrads auf fast das theoretische Limit von 29% (praktisch über 27%). "Wirkungsgrade sind ein extremer Hebel, weil die Gesamtkosten damit massiv sinken", erklärt Bett. Er kontrastiert dies mit III-V-Materialien wie Galliumarsenid, die für Weltraumanwendungen (z.B. Satelliten) höhere Effizienzen bieten und am ISE patentiert wurden. Der Weltrekord des ISE: 47,2% unter konzentriertem Licht mit einer Vierfach-Solarzelle. Konzentrierte PV reduziert Material um Faktor 1000 durch Optiken wie Brenngläser, eignet sich für sonnenreiche Gebiete, erfordert aber Nachführung und ist wolkenempfindlich. Bett diskutiert Tandemstrukturen mit Perowskiten auf Silizium für höhere Effizienzen und erwähnt Alternativen wie Kupfer statt Silber für Kontakte, um Kosten zu senken: "Silizium ist das zweithäufigste Element, da haben wir keine Limitierung – Silber kann man durch Kupfer ersetzen." Dünnschichttechnologien wie amorphes Silizium sind gescheitert, während CIGS oder CdTe Nischen besetzen.

Speicher und Sektorenkopplung: Batterien und Wasserstoff

Für die Integration fluktuierender Energien sind Speicher essenziell. Bett hebt Batterien für Kurzzeitspeicherung hervor, deren Kosten dank China gesunken sind; das ISE forscht an Lithium-Ionen, Natrium- und Zink-Ionen-Batterien. Für Langzeitspeicher und Dunkelflauten favorisiert er Wasserstoff: "Wir brauchen Wasserstoff als Ausgangsstoff für synthetische Kraftstoffe und Polymere – die molekulare Wende." Er sieht Synergien in der Industrie, wo Wasserstoff bereits gehandhabt wird, und diskutiert Träger wie Methanol oder Dimethylether. In Deutschland prognostiziert er einen Strombedarf von ca. 1000 Terawattstunden bis 2045 durch Elektrifizierung (Mobilität, Wärme), deckbar durch PV, Wind und Importe. "Die Primärenergie sinkt, weil Methoden effizienter sind", betont er. Agri-PV und Dachnutzung lösen Flächenprobleme, ohne Landwirtschaft zu beeinträchtigen.

Globale Perspektiven und Zukunft der Energiewende

Weltweit sieht Bett PV als dominant: Bis 2060 könnten 70 Terawatt installiert sein, mit jährlich 3-4 Terawatt Neuinstallationen, um CO2-neutral zu werden. China führt, doch USA und Indien bauen Produktion auf; Europa sollte Resilienz sichern, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Importe aus sonnenreichen Ländern wie Namibia machen Sinn: "Solarenergie wird hier immer teurer sein als in Regionen mit 2 Cent pro kWh." Bett plädiert für Industriepolitik und Vorbildfunktion Deutschlands: "Wenn wir zeigen, dass es mit Erneuerbaren kostengünstig geht, folgen andere." Er warnt vor Monopolen und fordert Diversifikation.


Sie finden alle Videos unter https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Solarenergie, Fraunhofer ISE, Wirkungsgrad, Wasserstoff, Energiewende

Samstag, 8. Februar 2025

Professor Dr. Franz Josef Radermacher im Energiegespräch



Energiegespräch mit Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher

Das vollständige Gespräch mit Professor Dr. Franz Josef Radermacher auf YouTube

1. Einleitung und persönlicher Hintergrund

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher ist Mathematiker, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker. Er leitete das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) und war bis 2018 Professor an der Universität Ulm. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Einsatz für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft und sein Engagement in der Global Marshall-Plan Initiative. Bereits in jungen Jahren (mit etwa 16/17) begann er sich intensiv mit globalen Zukunftsfragen und Ungleichheiten zu beschäftigen. Dabei erkannte er früh die zentrale Rolle von Ökonomie und Finanzsystemen, um große Probleme wie Überbevölkerung, Hunger und Umweltzerstörung anzugehen.

Sein Buch „All In – Energie und Wohlstand in einer wachsenden Welt“ (zusammen mit Bert Beyers) skizziert die Idee einer globalen ökosozialen Marktwirtschaft, in der sozial-ökonomische Entwicklung und Klimaschutz zusammengedacht werden. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass solche Konzepte wissenschaftlich fundiert sowie international tragfähig sind und nicht an kurzsichtigen nationalen Alleingängen scheitern.


2. Globale Ziele und Widersprüche

Die Vereinten Nationen haben mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) einen ambitionierten Fahrplan für eine gerechtere und nachhaltigere Welt vorgelegt. Prof. Radermacher betont jedoch, dass diese Ziele häufig in sich widersprüchlich („inkonsistent“) sind. So kollidiere beispielsweise das Ziel „Kein Hunger“ (Zero Hunger) mit dem Klimaschutzziel, wenn Entwicklungs- und Schwellenländer nicht mehr CO₂ emittieren dürften, obwohl sie dringend mehr Energie benötigen, um ihre Bevölkerung zu ernähren und aus der Armut zu holen.

Ähnlich problematisch sei die Finanzierung: Viele UN-Ziele werden zwar feierlich verabschiedet, jedoch ohne hinreichende finanzielle und strukturelle Umsetzung. Ein Beispiel sind die Millenium Development Goals (MDGs) von 2000, die letztlich scheiterten, weil keine ausreichenden Mittel und Mechanismen hinterlegt wurden. In seiner Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (nun Chef der UNIDO) hebt Radermacher hervor, dass speziell das Ziel „Kein Hunger“ seit 2015 durch Pandemien und Konflikte wie den Ukraine-Krieg noch schwerer zu erreichen sei – die Hungerzahlen steigen sogar wieder an.


3. Entwicklungswege und internationale Vergleiche

China und Indien
China hat in den letzten Jahrzehnten Millionen Menschen aus der Armut geführt. Das gelang unter anderem durch massive Investitionen des Westens und die Integration in globale Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig hat China dabei große Umwelt- und Klimabelastungen in Kauf genommen und ist heute für rund ein Drittel der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Auch Indien wächst rasant und strebt eine Klimaneutralität bis 2070 an.

Afrika
Demgegenüber ist Afrika durch Kolonialismus, willkürliche Grenzziehungen und interne Konflikte stark zersplittert. Viele afrikanische Staaten sind wirtschaftlich schwach, haben begrenzte Infrastrukturen und leiden unter anhaltenden Auseinandersetzungen um Ressourcen. Eine eigenständige, übergreifende afrikanische Entwicklungsstrategie ist daher schwer umzusetzen. Dennoch hält Radermacher die industrielle Entwicklung und Armutsbekämpfung für unabdingbar, um soziale Spannungen und Fluchtbewegungen zu reduzieren. Denn nur aus Armut herauszukommen ermöglicht es Ländern, langfristig klimafreundlich zu agieren.


4. Energiepolitik: Stärken und Schwächen aktueller Strategien

All Electric und „Klimanationalismus“
Radermacher kritisiert das deutsche Paradigma „All Electric“ (Strom aus erneuerbaren Quellen soll alle Energiebedarfe ersetzen) als zu teuer, zu instabil und zu eng gedacht. Die Stromerzeugung deckt weltweit nur etwa ein Drittel des gesamten Energiebedarfs ab; rund zwei Drittel beruhen nach wie vor auf Brennstoffen. Zudem erzeugen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne volatile Einspeisungen, die große Speicher oder Backup-Systeme erfordern.
Er bemängelt außerdem eine Art „Klimanationalismus“, bei dem Deutschland und andere Staaten klimapolitische Maßnahmen vorrangig im eigenen Land umsetzen wollen, statt global kostengünstigere Optionen zu nutzen. Beispielsweise investiert Deutschland enorme Summen in E-Ladesäulen und Elektromobilität, während die Schweiz ihre Mittel zum Teil in Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern steckt. Dort wird mit wesentlich geringeren Kosten echtes CO₂ gebunden und zudem die Wirtschaft vor Ort belebt.

Carbon Capture und Kernkraft
Ein zentraler Baustein von Radermachers Strategie ist „Fossil mit Carbon Capture“: Fossile Brennstoffe bleiben im Einsatz, das entstehende CO₂ wird jedoch abgeschieden und in geeigneten Gesteinsschichten oder ehemaligen Erdöl-Lagerstätten eingelagert (CCS: Carbon Capture and Storage). So werden die Emissionen vermieden, ohne dass ganze Infrastrukturen und Industrien über Nacht aufgegeben werden müssen. Ein Beispiel dafür sind die USA, die bereits seit Jahrzehnten CO₂ in Pipelines transportieren, um damit in alten Förderstätten den Druck zu erhöhen und zusätzliches Erdöl/-gas zu gewinnen (Enhanced Oil Recovery).
Auch der Ausbau der Kernenergie wird weltweit wieder relevanter: China, die USA oder auch Tech-Konzerne setzen zunehmend auf Atomkraft, um verlässliche, CO₂-arme Stromquellen zu gewährleisten. Deutschland dagegen hat nach Fukushima einen radikalen Atomausstieg beschlossen, was laut Radermacher zu weiteren Kosten für den Stromsektor führt und die Energieversorgung zusätzlich verkompliziert.

Rolle der Biomasse und alternativer Kraftstoffe
Mit Blick auf Verkehr und Schwerlast betont Radermacher die Bedeutung biogener Treibstoffe wie HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), das aus Rest- und Abfallfetten hergestellt wird. Dieser Kraftstoff ist fast klimaneutral, solange er aus nachhaltigen Quellen stammt. Zudem sei Biomasse in Form schnell wachsender Hölzer (etwa für Ethanol- oder Methanol-Herstellung) ein wichtiger Baustein, jedoch nicht beliebig skalierbar. Wirklich große CO₂-Senkungspotenziale sieht er in Aufforstung, Humusbildung und Renaturierung in tropischen Regionen.


5. Aufforstung, globale Finanzierungsansätze und die Rolle des Südens

Ein Schlüsselelement in Radermachers Konzept bildet die massive (Wieder-)Aufforstung weltweit: Eine Milliarde Hektar in den Tropen könnte CO₂ in großem Stil binden. Dort ist das Baumwachstum schnell, und zugleich entstünden neue Wertschöpfungsketten in Forst- und Holzwirtschaft. Dies würde nicht nur das globale Klima stabilisieren, sondern auch Armut lindern. Voraussetzung für solche Projekte sind vertragliche Regelungen auf Augenhöhe, damit Mittel aus den Industrieländern nicht als „Almosen“ missverstanden werden, sondern als Bezahlung für reale Klimadienstleistungen.

Bilaterale Verträge statt einseitiger Entwicklungshilfe
Radermacher plädiert für langfristige Verträge zwischen der OECD (als Vertreterin der reichen Staaten) und einzelnen Entwicklungsländern, in denen sich beide Seiten verpflichten: Der globale Süden schützt Waldgebiete, forstet auf oder verbessert Böden („Dekonditionierung“ der Emissionen) und erhält im Gegenzug verbindliche Zahlungen. Diese Gelder sind kein „Freikauf“ – sie ermöglichen die Erschließung wirtschaftlicher Perspektiven. Mit unabhängigen Kontrollmechanismen (z.B. Satellitenbilder) ließe sich sicherstellen, dass Wälder tatsächlich erhalten bleiben oder neu entstehen.

Finanzierung und globaler Handel mit Emissionen
Schon das Kyoto-Protokoll von 1997 sah mit dem „Clean Development Mechanism“ (CDM) vor, dass Industriestaaten Teile ihrer Emissionsminderungen im Ausland durch Projekte erzielen können. Allerdings blieb das Volumen gering. Im Pariser Abkommen (Artikel 6.4) wird dies erneut aufgegriffen und ermöglicht den Handel von CO₂-Minderungszertifikaten auf globaler Ebene. Während einige Länder (z.B. Schweiz, Japan) bereits erfolgreich in Aufforstung investieren, sperrt sich speziell Deutschland gegen diese Form der Kompensation und setzt lieber auf „Inlandsprojekte“.
Radermacher hält diesen national orientierten Ansatz für zu teuer und wenig wirksam. Internationale Emissionsmärkte könnten stattdessen Entwicklungen im Süden anstoßen, die gleichzeitig die CO₂-Bindung verbessern, Hunger lindern und den Lebensstandard heben. Wichtig sei, dass die reiche Welt endlich große Summen bereitstellt, um den notwendigen Strukturwandel zu finanzieren – dann wären viele Länder des globalen Südens willige Partner, zum beiderseitigen Vorteil.


Fazit
Prof. Franz Josef Radermacher verdeutlicht in diesem Gespräch, dass Klimaschutz untrennbar mit Armutsbekämpfung und globalen Wirtschaftsstrukturen verbunden ist. Er kritisiert eindimensional gedachte, rein nationale Strategien (All Electric, vollständiger Verzicht auf fossile Energieträger, Klimaschutz nur im eigenen Land) und spricht sich für mehrere parallele Ansätze aus:

  • Erneuerbare Energien, aber nur bis zu einer verlässlichen 50-%-Quote im Stromsektor.
  • Nuklearenergie und Carbon Capture als wichtige Bausteine, um verlässliche Energie zu sichern.
  • Aufforstung und Bodenverbesserung im Globalen Süden, um CO₂ zu binden und zugleich neue Märkte sowie Beschäftigung zu schaffen.
  • Verbindliche Verträge zwischen OECD-Staaten und Entwicklungsländern, sodass gezahlte Mittel nicht als „Entwicklungshilfe“, sondern als Gegenleistung für konkrete Klimadienstleistungen gelten.

Nur so ließe sich ein globaler Ausgleich organisieren, in dem Wohlstand und Klimaschutz Hand in Hand gehen. Letztlich müssen die „Spielregeln“ des internationalen Systems so verändert werden, dass alle Beteiligten einen Nutzen haben – im Idealfall bis 2070 mit einer CO₂-neutralen Welt, die trotzdem wirtschaftlich dynamisch wächst und den Menschen ein gutes Leben ermöglicht.

Die vollständige Liste aller Energiegespräche finden Sie hier: https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html


Freitag, 16. August 2024

Der Pfad der weltweiten Energiewende

Ein Zukunftsszenario für Solarenergie und CO₂-Emissionen

Haben wir eine Chance, das CO₂ Problem so weit zu managen, dass es zu keiner katastrophalen globalen Erwärmung kommt?
Hier ist eine Betrachtung, was in den nächsten Jahren passieren wird, unabhängig von der deutschen Energiepolitik. 

Erste Prämisse: Die Menge an CO₂ muss nicht global auf null, sondern auf netto Null gebracht werden. Das bedeutet, dass nicht mehr emittiert wird, als von der Natur aufgenommen werden kann. In Zahlen muss daher die Emission von 40 Gt (Kohleäquivalenz) auf 20 Gt gesenkt werden. Das ist immer noch eine enorme Verringerung, aber mir scheint das deutlich realistischer, da insbesondere die letzten 50 % Verminderung den höchsten Aufwand bedeuten.

Der Pfad wird über die Installation von PV gelingen, und wenn man die Zahlen betrachtet sogar praktisch kostenneutral. Dazu werden PV-Anlagen als "fuel-saver" also Brennstoff-Vermeider installiert. Immer wenn die Sonne scheint, und das tut die Sonne in sehr vielen Ländern fast das ganze Jahr tagsüber, ersetzt der Solarstrom die Brennstoffe Kohle, Öl oder Gas bei der Stromerzeugung durch Solarstrom. Dieser ist inzwischen aufgrund der sehr geringen Preise für Solarmodule aus China, unter 5 €ct/kWh in sonnigen Gebieten möglich.

Aus der Vergangenheit ist bekannt, wie viel PV Installationen jährlich bis 2023 durchgeführt wurden, dies ist in der Grafik als gelbe Linie dargestellt, die Skalierung ist auf der linken Seite und logarithmisch. Unter der Annahme, dass wir schon nahe der maximalen Produktionrate von PV sind, aktuell hat China etwa eine Produktionskapazität von 1000 GW/Jahr (entspricht  ~ 1 TWh/Jahr). Unter der Annahme einer typischen logistischen Kurve, das bedeutet, die Produktionskapazitäten werden aufgrund der Marktsättigung nur noch langsam ausgebaut und dann sogar ab 2035 langsam wieder abgebaut, ein Punkt, über den man diskutieren kann, werden im Maximum (Jahr 2035) etwa 1365 GW/Jahr installiert. 
Wachstum der PV Installation und dadurch verursachte Abnahme der CO₂ Emission.


Weiterhin ist bekannt, wie groß die Emissionen an CO₂ sind, berechnet man die tatsächlichen Emissionen, nach Abzug der Einsparung durch Fuelsaver PV, sieht man für das Jahr 2020 noch keinen nennenswerten Effekt, aber in den Folgejahren, wenn der Ausbau stetig wächst, blaue Kurve linke Skala in TWh, erreicht man 2034 bereits eine Reduktion von 40 Gt auf 30 Gt. und im Jahr 2050 sind es nur noch 20 Gt. Diese Menge an CO₂ kann von der Natur vollständig aufgenommen werden, sodass die Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre bei etwa 500 ppm konstant bleibt. Dies entspricht etwa einer Temperaturerhöhung von 2.5°C (K) was mir erträglich erscheint.

Die Berechnungen enthalten kein Wirtschaftswachstum, aber auch keine Windkraftwerke oder Kernkraftwerke. Es ist bewusst eine grobe Abschätzung, die zeigen soll, welche Wirkung ein weiterer Ausbau der Solarenergie hat.
 
Einige Hinweise zur Berechnung: Es wurde angenommen, dass wesentliche Teile der Pkw Flotte elektrisch fährt und ein Liter Diesel/Benzin durch 3 kWh Strom ersetzt wird. Weiterhin wurde ein durchschnittlicher weltweiter Wirkungsgrad von 33 % für Kohle und Gaskraftwerke angenommen. 
Im Basisjahr 2019 (das Jahr vor Corona) wurden 144 576 TWh Energie aus fossilen Kraftwerken erzeugt, die gesamte Emission lag bei 39,32 Gt Kohlenstoff.

Samstag, 11. Mai 2024

Timo Leukefeld im Energiegespräch

 Zusammenfassung Gespräch mit Timo Leukefeld

Heizungsbauer und Professor

In einem tiefgreifenden Gespräch mit Timo Leukefeld, einem Experten für erneuerbare Energien und Professor, diskutiert dieser seine Visionen und Lösungsansätze für eine nachhaltigere Heiz- und Bauwelt.

Das Energiegespräch mit Timo Leukefeld

 Leukefeld, der seine Karriere als Heizungsbauer begann und später im Maschinenbau mit Schwerpunkt auf Energietechnik spezialisierte, bringt seine umfangreiche Expertise und Erfahrungen aus der Praxis in die akademische Welt ein. Mit seiner Professur und seinem international agierenden Büro entwickelt er energieeffiziente Gebäude und forscht an Trends für zukünftiges Bauen.

Trend: Strahlungsheizung ersetzt Zirkulationsheizung

Leukefeld beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie wir die Heizwelt verbessern können. Er sieht einen deutlichen Trend weg von traditionellen Konvektionsheizungen hin zu Strahlungsheizungen, die eine gleichmäßigere und angenehmere Wärme liefern. Dieser Übergang zu effizienteren Heizmethoden, gepaart mit einer immer besseren Gebäudeisolation, führt dazu, dass das Heizen in Neubauten zunehmend an Bedeutung verliert. Er kritisiert die ineffiziente Ausstattung neuer Gebäude mit Heizsystemen, die für extrem kalte Bedingungen ausgelegt sind, was angesichts des Klimawandels und milder werdender Winter nicht mehr zeitgemäß ist.

Robuste Technologie schlägt wartungsintensive Technologie

Der Experte betont die Notwendigkeit, integrales Denken in der Energiepolitik zu fördern, das auf Zusammenhangswissen beruht. Dieses Wissen ist seiner Meinung nach in der aktuellen Energiepolitik weitgehend verloren gegangen. Leukefeld plädiert für eine Rückbesinnung auf einfache, robuste Technologien, die weniger wartungsintensiv und langfristig nachhaltiger sind. Er sieht die Industrie, die durch Förderprogramme für komplexe und teure Technologien profitiert, kritisch und spricht sich stattdessen für einfache, effektive Lösungen aus, die auch von weniger qualifizierten Arbeitskräften umgesetzt werden können.

Umbau Heiz- und Bauindustrie

Zusammenfassend fordert Timo Leukefeld eine radikale Umgestaltung der Heiz- und Bauindustrie hin zu mehr Einfachheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Er kritisiert die kurze Lebensdauer moderner Heizsysteme und die politischen Entscheidungen, die oft die Interessen der Industrie über die der Verbraucher stellen. Seine Vision ist es, durch innovative, energieeffiziente Bauprojekte und das Nutzen von erneuerbaren Energien einen grundlegenden Wandel zu fördern und dabei sowohl ökonomische als auch ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen.

Eine vollständige Liste aller Gespräche findet sich unter: 

https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Sonntag, 17. Oktober 2021

Der Ökostromschwindel

Der Ökostrom-Schwindel

Jeder Mensch will der Natur so wenig Schaden zufügen wie er kann. Mit diesem Wissen haben einige Händler ein Produkt auf den Markt gebracht, das als 100% Naturstrom, Reiner ÖkoStrom oder sogar als zertifizierter ÖkoStrom auf dem Markt angepriesen wird. Gibt es solchen Strom wirklich oder ist das eine große Augenwischerei? 

Strom als Produkt

Früher kam der Strom aus der Steckdose, heute kommt er vom Ökostromhändler? Nein, der Strom kommt immer noch aus der Steckdose und das ist gerade die Eigenschaft, die Strom als Energieform so überlegen  macht. Damit aber der Elektroherd oder die Umwälzpumpe der Heizung oder irgendein anderes Gerät an der Steckdose funktioniert, muss genau die Menge elektrischer Energie erzeugt werden, die das Gerät verbraucht, und zwar genau in dem Moment. Genaugenommen müssen sogar 10% mehr Energie erzeugt werden, da  all die Leitungen und Transformatoren, die das Stromnetz bilden, gewisse Verluste haben. Aber das sei jetzt nicht das Thema.



Viel entscheidender ist, dass wir am Ende des Monats für all den Strom, den wir konsumiert haben, eine Rechnung zahlen, die auf Basis der Stromzählung, am Stromzähler im Haus, berechnet wird. Und das Geld geht dann an den Stromhändler. Der Stromhändler verkauft uns also das Produkt elektrische Energie.
Doch woher hat der Stromhändler den Strom? Der kauft den Strom bei einem Stromproduzenten, etwa einem Windpark, einem Kohle- oder Atomkraftwerk ein. 

Das Problem ist die Zeit

Wäre Strom ein lagerbares Gut, so könnte ein "Öko-Stromhändler", genauso wie der Öko-Gemüsehändler, den Strom nur dort einkaufen, wo keine Umweltbelastung, etwa durch Kohleverbrennung, entsteht. Das geht aber nicht! Kein einziger Ökostromhändler ist in der Lage, Strom zu speichern und dann zu liefern, wenn der Strom benötigt wird. Der Ökostromhändler liefert daher ca. 60% der Zeit Strom aus Kohle- oder Braunkohlekraftwerken, mit einigen Prozent Atomstrom und weniger als 3% Wasserkraft.



Dem Kunden wird aber erzählt, dass sein Strom aus sauberen Quellen kommt, zumeist wird der Anschein erweckt es sei reiner Solar- und Windstrom. Der Gemüsehändler, der bei seinen Biokarotten 60% normale Karotten dazugibt, würde schnell ein Verfahren wegen Betrugs bekommen. Völlig unbegreiflich ist für mich, warum das bei Strom nicht der Fall ist.

Würde ein Ökostromhändler tatsächlich nur Solar- und Windenergie verkaufen, wären die Steckdosen heute zu 60% der Zeit ohne Strom. Aber er könnte sich ja eine große Batterie oder ein Wasserstoffsystem zulegen, das tatsächlich den Strom speichert. Dann wäre die Bezeichnung Ökostrom korrekt. Aber das macht natürlich kein einziger Anbieter, da sein Strom, aufgrund der enormen Kosten für die Speicherung, mindestens das Dreifache kosten würde.

Politische Auswirkung dieses Betrugs

Da unsere Regierungen der letzten 20 Jahren diesen Betrug geduldet oder sogar gefördert haben, glauben inzwischen viele Verbraucher, insbesondere jene, die "Ökostrom" beziehen, dass es möglich ist, auf 100% Solar und Windenergie umzusteigen. Einfach genügend PV-Kraftwerke aufstellen, noch ein paar Windparks in die Nordsee und Naturschutzgebiete in den deutschen Mittelgebirgen mit 270 Meter hohen Windkraftwerken ausstatten, und wir können die Atomkraftwerke abschalten, Kohle und Braunkohlekraftwerke schließen und sind CO₂ frei.



Nein, das funktioniert leider nicht, wenn man echten Ökostrom will, dann muss man die notwendigen Speicher dazu bauen. Und wenn man die Zahlen genau analysiert, und genau das haben wir in der Dissertation von Nico Wehrle getan, dann verursachen nicht die vielen Solar- und Windkraftwerke die Kosten, nein, die Kosten der Speicher sind um den Faktor 2-3 teurer als all die Konverter von Umgebungsenergie.

Das führt dazu, dass viele Menschen Parteien gewählt haben, die in ihren Programmen behaupten, für geringe Kosten, "Die Sonne schickt keine Rechnung", könnten wir alle thermischen steuerbaren Kraftwerke abschalten.

Die Folgen dieses Schwindels werden uns daher eine Zukunft bereiten, in der Strom entweder extrem teuer wird, der Strom aus französischen, polnischen, niederländischen, schweizerischen und tschechischen Atomkraftwerken kommt, oder in der wir selbst CO₂ freie Kernkraftwerke bauen. 

Doch es gibt noch eine Alternative, kein Strom, wenn der Wind nicht weht, das nennen die Grünen dann angebotsorientierter Strommarkt. Bitte schon mal warm anziehen, wenn bei mangelnden Angebot die Küche kalt bleibt und die Umwälzpumpe nicht arbeitet.