Weitere Blogs von Eduard Heindl

Innovationsblog neue Ideen | Some Science my research | Energiespeicher Bedeutung und Zukunft | Energy Age the big picture (engl.)
Posts mit dem Label Kernenergie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kernenergie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 2. August 2025

Wilfried Hahn

 

Gespräch mit Wilfried Hahn

Das vollständige Gespräch mit Wilfried Hahn auf YouTube:


Prof. Dr. Eduard Heindl spricht mit Wilfried Hahn, einem erfolgreichen Unternehmer und ehemaligen Leiter des Handwerkzeugherstellers Wiha, über die Herausforderungen der Energieversorgung in der Industrie, die Bedeutung stabiler Energiequellen und die vielversprechende Zukunft von Thorium-basierten Molten-Salt-Reaktoren. Hahn, der inzwischen im Aufsichtsrat von Copenhagen Atomics tätig ist, teilt seine Einblicke aus seiner unternehmerischen Erfahrung und seinem Engagement für innovative Energielösungen.

Energieversorgung in der Industrie: Herausforderungen und Kosten

Wilfried Hahn betont, wie essenziell eine zuverlässige und kostengünstige Energieversorgung für die Industrie ist. Sein Unternehmen Wiha, ein weltweit führender Hersteller von Handwerkzeugen, betreibt energieintensive Prozesse wie Härtereien und Spritzgussanlagen. Diese Prozesse erfordern stabile Strom- und Gasquellen. In Deutschland sind die Energiekosten in den letzten Jahren stark gestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt, insbesondere im Vergleich zu Ländern wie Polen oder Vietnam, wo Energiekosten deutlich niedriger sind. Hahn hebt hervor, dass die Energiekrise und die Abhängigkeit von Gas die Produktionskosten erheblich erhöht haben. Eine Unterbrechung der Stromversorgung wäre für ein Unternehmen wie Wiha katastrophal, da Produktion und Kommunikation vollständig zum Erliegen kämen.

Globale Standorte und Energiepolitik

Wiha betreibt Produktionsstätten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen und Vietnam. Hahn erklärt, dass die Energieversorgung in Vietnam zwar verbessert wurde, aber immer noch nicht die Stabilität westlicher Länder erreicht. Dennoch ist Vietnam ein attraktiver Standort, da viele Unternehmen aufgrund steigender Löhne in China dorthin ausweichen. In Deutschland hingegen ist die Versorgungssicherheit derzeit noch hoch, doch die hohen Energiepreise belasten die Industrie. Hahn betont, dass eine stabile Energiepolitik entscheidend ist, um im globalen Wettbewerb mit Ländern wie den USA oder China konkurrenzfähig zu bleiben, wo Energie oft günstiger verfügbar ist.

Der Atomausstieg in Deutschland: Eine kritische Betrachtung

Hahn kritisiert den deutschen Atomausstieg, der nach dem Fukushima-Unfall 2011 beschleunigt wurde. Er sieht darin eine Entscheidung, die unter gesellschaftlichem und medialem Druck gefällt wurde, obwohl Deutschland über einige der sichersten Kernkraftwerke der Welt verfügte. Die Abschaltung dieser Kraftwerke ohne adäquaten Ersatz durch erneuerbare Energien oder andere zuverlässEnergieversorgung, Industrie, Thorium-Reaktoren, Atomausstieg, Copenhagen Atomicsige Quellen gefährdet laut Hahn die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Industriestandort. Er plädiert dafür, die verbleibenden Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, da sie eine sichere und effiziente Energiequelle darstellen.

Thorium-Reaktoren: Eine nachhaltige Zukunft?

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Hahns Engagement bei Copenhagen Atomics, einem Unternehmen, das Molten-Salt-Reaktoren mit Thorium entwickelt. Diese Technologie, die in den 1960er Jahren in den USA erforscht, aber aus politischen Gründen eingestellt wurde, bietet mehrere Vorteile: Thorium ist 500-mal häufiger als spaltbares Uran, die Reaktoren produzieren kein Plutonium (was die Gefahr der Waffenproduktion reduziert), und sie können sogar langlebigen Atommüll verbrennen. Hahn erklärt, dass die Reaktoren kompakt (Container-Größe), in Serie produzierbar und kostengünstig sind. Copenhagen Atomics zielt darauf ab, Strom zu weniger als zwei Cent pro Kilowattstunde zu liefern, was die Technologie wirtschaftlich attraktiv macht. Zudem sind die Reaktoren sicherer, da sie unter Normaldruck arbeiten und im Notfall die Reaktion automatisch stoppt.

Anwendungen und Visionen für Thorium-Reaktoren

Die Reaktoren von Copenhagen Atomics könnten vielseitig eingesetzt werden, etwa zur Wasserstoff- und Ammoniakproduktion, als Ersatz für Kohlekraftwerke oder sogar zur Energieversorgung von Schiffen. Hahn betont die Dezentralität dieser Technologie, die unabhängig von großen Stromnetzen funktioniert und damit geopolitische Abhängigkeiten reduziert. Ein weiterer Vorteil ist die Lösung des Endlagerproblems: Die Spaltprodukte der Thorium-Reaktoren haben eine deutlich kürzere Halbwertszeit (10–300 Jahre) im Vergleich zu herkömmlichen Reaktoren, wodurch das Problem langlebiger radioaktiver Abfälle minimiert wird.

Persönliches Engagement und Ausblick

Neben seiner unternehmerischen Karriere ist Hahn auch sportlich aktiv, etwa als Basketballer und Trainer. Sein Interesse an Technik und Wissenschaft treibt sein Engagement für die Kernenergie und den Klimaschutz an. Er plädiert für eine offene, wissenschaftsbasierte Diskussion über Energielösungen, die frei von Ideologien ist. Für die Zukunft sieht Hahn eine Energiewelt, die auf einem Mix aus Solar, Wind und Kernenergie basiert, wobei die Kernenergie eine stabile Grundversorgung bietet. Er betont die Notwendigkeit besserer Bildung, um die nächste Generation auf die Herausforderungen der Energiewende vorzubereiten.

Sie finden alle Videos unter https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Wichtige Stichworte: 

Mittwoch, 30. Juli 2025

Prof. Dr. André Thess

 

Gespräch mit Prof. Dr. André Thess

Das vollständige Gespräch mit Prof. Dr. André Thess auf YouTube.

Werdegang und Einstieg in die Energietechnik

Prof. Dr. André Thess, Professor für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart, hat einen beeindruckenden internationalen Werdegang. Geboren 1964 in Sankt Petersburg, promovierte er 1991 an der TU Dresden und war unter anderem Gastprofessor an der Stanford University und der Nagoya University. Seine Leidenschaft für Energietechnik entwickelte sich während eines Praktikums am Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf. Dort kam er mit Thermodynamik, Reaktorphysik und Energietechnik in Berührung, was sein berufliches Leben prägte. „Ich bin zwar am Ende nicht Kernphysiker geworden, aber durch diese Entscheidung bin ich mit Energietechnik in Kontakt gekommen und habe sie lieben gelernt“, sagt Thess.

Energiewandlung und Wärmekraftmaschinen

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Energiewandlung. Thess erläutert, dass die heutige Energiewelt von fossilen Brennstoffen und Wärmekraftmaschinen wie Dampf- oder Gasturbinen dominiert wird. Diese wandeln Wärme in mechanische Energie und letztlich in Strom um. Der Wirkungsgrad solcher Systeme ist begrenzt durch die Temperaturdifferenz zwischen heißer und kalter Seite, wie sie Carnot 1824 definierte. „Wir sind dank der 200-jährigen Geschichte der Wärmekraftmaschinen dieser theoretischen Grenze schon relativ nahe gekommen“, betont Thess. Dennoch sieht er in den nächsten Jahrzehnten eine Transformation hin zu erneuerbaren Energien wie Wind, Solar und Kernenergie.

Energiespeicherung: Die Zukunft der Energiewende

Die Energiewende erfordert neue Ansätze zur Speicherung von Strom aus fluktuierenden Quellen wie Wind und Sonne. Thess fokussiert auf sogenannte Carnot-Batterien, die Strom mittels Wärmepumpen in Wärme umwandeln, diese speichern und bei Bedarf wieder in Strom zurückverwandeln. Solche Systeme könnten Speicherkapazitäten von mehreren hundert Gigawattstunden erreichen, was für eine Industrienation wie Deutschland essenziell ist. Thess hebt hervor: „Die große Herausforderung besteht darin, Wärmepumpe, Wärmespeicher und Wärmekraftmaschine so zu optimieren, dass der Wirkungsgrad möglichst nahe an 100% kommt.“ Im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien sind Carnot-Batterien für großskalige, langfristige Speicherung geeignet, während Batterien für kurzfristige Speicherung besser sind.

Kernenergie: Emotionen versus Fakten

Ein kontroverses Thema ist die Kernenergie. Thess kritisiert die emotionale Ablehnung in Deutschland, die nicht immer auf wissenschaftlichen Fakten basiert. Er verweist auf Studien, die zeigen, dass die Kernenergie im Vergleich zu Kohle deutlich weniger Todesopfer pro Terawattstunde verursacht (0,1 gegenüber 25). Er bemängelt, dass Medien oft ungenau über Kernenergie berichten, etwa durch Vermischung von Tsunami- und Reaktoropfern in Fukushima. Thess fordert eine sachliche Debatte und verweist auf die internationale Nutzung der Kernenergie in Ländern wie den USA, Frankreich und Japan.

Wasserstoff und CO2-Vermeidungskosten

Wasserstoff wird als potenzieller Energiespeicher diskutiert, doch Thess sieht hier ökonomische Hürden. Grüner Wasserstoff kostet etwa sechs Euro pro Kilogramm, während fossiler Wasserstoff nur einen Euro kostet. Die Herausforderung besteht darin, die Kosten zu senken. Thess plädiert für Technologieneutralität und einen CO2-Preis, der den Markt steuert, anstatt politische Vorgaben. Bei der CO2-Vermeidung betont er die Effizienz: „Die Modernisierung eines indischen Kohlekraftwerks spart eine Tonne CO2 für etwa 50 Euro, ein Elektroauto in Deutschland kostet 500 Euro pro Tonne.“ Kernkraftwerke liegen bei 100–200 Euro pro Tonne, was sie zu einer effizienten Klimaschutzmaßnahme macht.

Kulinarische Thermodynamik: Wissen mit Genuss verbinden

Ein ungewöhnlicher Aspekt von Thess’ Arbeit ist seine Vorlesung „Kulinarische Thermodynamik“, die Thermodynamik mit Kochen verbindet. Ziel ist es, Studierende für das Fach zu begeistern und sie zum Kochen zu motivieren. Beispielsweise wird die Wärmeübertragung anhand von Bratpfannen analysiert, gefolgt von Verkostungen. Thess kritisiert humorvoll EU-Vorschläge wie die Leistungsbegrenzung von Wasserkochern und schlägt stattdessen einen „Deckel-Zwang“ für Töpfe vor, da dies Energie spart.

Ausblick auf die Energiewelt 2100

Zum Abschluss wagt Thess eine Prognose für 2100: Fossile Energien werden durch Innovationen in Wind, Sonne, Kernenergie und möglicherweise Kernfusion zurückgedrängt. „Die Zukunft sieht anders aus, als wir sie uns heute vorstellen“, sagt er und betont, dass technologische Fortschritte und ein CO2-Preis die Energiewelt CO2-arm und kostengünstig machen könnten, ähnlich wie Innovationen die Steinzeit beendeten.


Sie finden alle Videos unter https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Stichworte: Energiewandlung, Carnot-Batterien, Kernenergie, Wasserstoff, CO2-Vermeidung

Freitag, 25. Juli 2025

Prof. Dr. Wolfgang Eberhard

 Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Eberhardt

Das vollständige Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Eberhardt auf YouTube

Einführung in die Energiewende

Im Gespräch mit Prof. Dr. Eduard Heindl erörtert Prof. Dr. Wolfgang Eberhardt, ein renommierter Energieexperte, die Herausforderungen und Lösungen der Energiewende. Mit seiner langjährigen Erfahrung, unter anderem bei Exxon und als wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums Berlin, beleuchtet er die Entwicklung und den aktuellen Stand der erneuerbaren Energien. Das Gespräch fand an der Hochschule Furtwangen statt, einer Region mit hohem Solarpotenzial, und thematisiert die Rolle von Photovoltaik, Batterietechnologien und politischen Rahmenbedingungen.

Fortschritte in der Photovoltaik

Eberhardt betont, dass die Photovoltaik-Technologie, insbesondere mit kristallinem Silizium, ausgereift ist und 80 % des theoretischen Wirkungsgrads erreicht. Die Herausforderung liegt nicht mehr in der Technologieentwicklung, sondern in der kostengünstigen, großflächigen Produktion, wie sie etwa in China erfolgreich umgesetzt wird. Perowskit-Schichten als Alternative werden kritisch gesehen, da sie instabil sind und problematische Materialien wie Blei enthalten. Multischichtsysteme auf Siliziumbasis könnten jedoch die Effizienz weiter steigern.

Elektromobilität und Effizienzgewinne

Ein zentrales Thema ist die Elektromobilität. Eberhardt, selbst Tesla-Fahrer, hebt die hohe Energieeffizienz von Elektromotoren hervor, die im Vergleich zu Verbrennungsmotoren einen vierfachen Effizienzgewinn bieten. Batterien haben sich als langlebiger erwiesen, als oft angenommen, mit Lebensdauern von über 170.000 km. Dennoch sieht er Herausforderungen bei schweren Nutzfahrzeugen, wo die Energiedichte noch optimiert werden muss. Wasserstoff wird als Ergänzung für spezielle Anwendungen wie die Luftfahrt diskutiert, ist aber aufgrund der geringen Energiedichte pro Volumen für Flugzeuge problematisch.

Herausforderungen der Energiespeicherung

Die Speicherung von Energie, insbesondere zur Bewältigung saisonaler Schwankungen, bleibt eine große Herausforderung. Eberhardt schlägt vor, Überschussstrom durch Elektrolyse in Wasserstoff umzuwandeln, der dann in Gasturbinen oder für synthetische Kraftstoffe genutzt werden kann. Superkondensatoren könnten kurzfristige Leistungsspitzen abfangen, wie in Shanghai bei elektrischen Bussystemen bereits erfolgreich demonstriert. Langfristig sieht er die Notwendigkeit, die europäische Strominfrastruktur auszubauen, um geografische Schwankungen in der Erzeugung auszugleichen.

Kernenergie und politische Rahmenbedingungen

Eberhardt plädiert für eine differenzierte Sicht auf die Kernenergie, insbesondere auf Thorium-Reaktoren, die weniger problematische Abfälle produzieren und nicht für Waffen geeignet sind. Er kritisiert die deutsche Energiewende, die die vorhandenen Kernkraftwerke abschaltet, während andere Länder wie Polen oder Frankreich neue bauen. Politische Entscheidungen, die von Wählerstimmen beeinflusst werden, behindern oft den Ausbau von Übertragungsleitungen und erneuerbaren Energien. Er fordert eine ehrlichere Kommunikation mit der Bevölkerung über notwendige Infrastrukturmaßnahmen.

Globale Perspektiven und Klimaschutz

Das Gespräch thematisiert auch globale Ansätze, wie das Desertec-Projekt, das Solarenergie aus der Sahara nutzen könnte, aber durch politische Instabilität erschwert wird. Eberhardt betont die Notwendigkeit, CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, um die Anreicherung in der Atmosphäre zu stoppen. Er verweist auf die Keeling-Kurve, die zeigt, dass die Natur bereits einen Teil des CO2 absorbiert, und plädiert für eine europaweite Kooperation, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten.

Sie finden alle Videos unter https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Wichtige Stichworte: Photovoltaik, Elektromobilität, Energiespeicherung, Kernenergie, Klimaschutz

Montag, 21. Juli 2025

Dr. Nico Wehrle

Interview mit Dr. Nico Wehrle: Energiespeicher und die Zukunft der Energieversorgung

Das vollständige Gespräch mit Dr. Nico Wehrle auf YouTube.

Einführung und Hintergrund von Dr. Nico Wehrle

Dr. Nico Wehrle, Maschinenbauingenieur und Experte für Energiespeicher, hat in Deutschland zu diesem Thema promoviert. Seine berufliche Laufbahn begann in der Kernenergie, wo er in Heidelberg bei einem Unternehmen für kerntechnische Berechnungen tätig war. Später wechselte er zu einem Hersteller von Wasser- und Wärmemesstechnik im Schwarzwald, wo er sich intensiv mit Energiespeicherung auseinandersetzte, insbesondere mit dem Konzept des Gravity Storage. Sein Interesse an der Kombination von erneuerbaren Energien und Speichersystemen führte zu seiner Dissertation, die sich mit der Ermittlung des Speicherbedarfs und den zugehörigen Kosten in Deutschland beschäftigt.

Herausforderungen der erneuerbaren Energien

Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie sind volatil und nicht kontinuierlich verfügbar, im Gegensatz zu fossilen oder nuklearen Energiequellen. Dr. Wehrle betont, dass die Schwankungen dieser Energiequellen – besonders bei Windkraft, die zwischen 18 und 24 Prozent Nutzungsgrad variiert, während Solarenergie stabiler bei 10 bis 11 Prozent liegt – einen erheblichen Speicherbedarf erzeugen. Um diesen Bedarf zu ermitteln, analysierte er öffentlich zugängliche Daten von Übertragungsnetzbetreibern und dem Solaren Forschungsinstitut Freiburg. Diese Daten, die in 15-Minuten- bis stündlichen Intervallen vorliegen, ermöglichen es, den Strombedarf und die Stromerzeugung über das Jahr hinweg zu berechnen und den Speicherbedarf abzuleiten.

Vielfalt der Speichertechnologien

Dr. Wehrle untersuchte verschiedene Speichertechnologien, die jeweils unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Lithium-Ionen-Batterien bieten einen hohen Wirkungsgrad (ca. 95 %) und schnelle Reaktionszeiten, sind jedoch für große Kapazitäten teuer. Zink-Luft-Speicher sind kostengünstiger, da Zink ein preiswerter Werkstoff ist, und ermöglichen eine unabhängige Skalierung von Energiewandler und Speicher. Pumpspeichersysteme nutzen komprimierte Luft und thermodynamische Prozesse für große Speicherkapazitäten, sind aber langsamer. Power-to-Gas-Technologien, wie Wasserstoff- oder Methanspeicherung, bieten große Kapazitäten, haben jedoch geringere Wirkungsgrade (33–35 %). Besonders die Methanisierung, bei der Wasserstoff in Methan umgewandelt wird, könnte bestehende Erdgasspeicher mit einer Kapazität von etwa 220 Terawattstunden nutzen.

Kostenfaktoren und Speicherzyklen

Die Kosten eines Speichersystems hängen stark von der Anzahl der Entladezyklen ab. Lithium-Ionen-Batterien, die häufig genutzt werden, sind aufgrund ihrer hohen Zyklenzahl kosteneffizienter, da sich die Investitionskosten auf viele Zyklen verteilen. Im Vergleich dazu sind saisonale Speicher, die nur wenige Zyklen pro Jahr haben, teurer, da die Investitionskosten auf wenige Entladungen umgelegt werden müssen. Dr. Wehrle schätzt, dass die Speicherkosten bei einer vollständigen Versorgung durch erneuerbare Energien das Drei- bis Vierfache der Stromerzeugungskosten betragen könnten. Der Strompreis könnte somit von 5–6 Cent pro Kilowattstunde auf 15–20 Cent steigen, wenn Speichertechnologien eingesetzt werden.

Integration von Kernenergie und anderen Quellen

Dr. Wehrle sieht in der Kernenergie ein großes Potenzial, um die Grundlast abzusichern und den Speicherbedarf zu reduzieren. Er plädiert für eine nüchterne Diskussion über Kernenergie, da sie im Vergleich zu fossilen Brennstoffen wie Kohle deutlich weniger gesundheitsschädlich ist. Neue Technologien wie kleine modulare Reaktoren auf Thorium-Basis könnten kostengünstiger und flexibler sein. Eine Mischung aus 50–60 % Kernenergie und 40–50 % erneuerbaren Energien mit einem gut dimensionierten Speichersystem könnte ein stabiles und kosteneffizientes Energiesystem ermöglichen. Er betont, dass eine vollständige Abhängigkeit von erneuerbaren Energien den Speicherbedarf vervierfachen oder verfünffachen würde.

Zukunft der Energieversorgung

Blickt man in die Zukunft, ist Dr. Wehrle optimistisch. Er glaubt, dass Kernenergie, insbesondere durch Fortschritte bei modularen Reaktoren oder Kernfusion, eine zentrale Rolle spielen wird. Gleichzeitig sollten erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden, um fossile Brennstoffe zu ersetzen. Er sieht Potenzial in dezentralen Lösungen wie Solaranlagen mit Wärmepumpen, die den Netzbedarf reduzieren können. Importe von Wasserstoff aus Ländern wie Australien hält er für möglich, aber nicht ideal, da die Abhängigkeit von externen Quellen vermieden werden sollte. Langfristig plädiert er für eine Kombination aus lokalen Lösungen und einer Reduktion der Verbrennungstechnologien, um die Umweltbelastung zu minimieren.

Sie finden alle Videos unter https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Stichworte: Energiespeicher, erneuerbare Energien, Kernenergie, Speichertechnologien, Stromkosten

Samstag, 8. Februar 2025

Professor Dr. Franz Josef Radermacher im Energiegespräch



Energiegespräch mit Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher

Das vollständige Gespräch mit Professor Dr. Franz Josef Radermacher auf YouTube

1. Einleitung und persönlicher Hintergrund

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher ist Mathematiker, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker. Er leitete das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) und war bis 2018 Professor an der Universität Ulm. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Einsatz für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft und sein Engagement in der Global Marshall-Plan Initiative. Bereits in jungen Jahren (mit etwa 16/17) begann er sich intensiv mit globalen Zukunftsfragen und Ungleichheiten zu beschäftigen. Dabei erkannte er früh die zentrale Rolle von Ökonomie und Finanzsystemen, um große Probleme wie Überbevölkerung, Hunger und Umweltzerstörung anzugehen.

Sein Buch „All In – Energie und Wohlstand in einer wachsenden Welt“ (zusammen mit Bert Beyers) skizziert die Idee einer globalen ökosozialen Marktwirtschaft, in der sozial-ökonomische Entwicklung und Klimaschutz zusammengedacht werden. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass solche Konzepte wissenschaftlich fundiert sowie international tragfähig sind und nicht an kurzsichtigen nationalen Alleingängen scheitern.


2. Globale Ziele und Widersprüche

Die Vereinten Nationen haben mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) einen ambitionierten Fahrplan für eine gerechtere und nachhaltigere Welt vorgelegt. Prof. Radermacher betont jedoch, dass diese Ziele häufig in sich widersprüchlich („inkonsistent“) sind. So kollidiere beispielsweise das Ziel „Kein Hunger“ (Zero Hunger) mit dem Klimaschutzziel, wenn Entwicklungs- und Schwellenländer nicht mehr CO₂ emittieren dürften, obwohl sie dringend mehr Energie benötigen, um ihre Bevölkerung zu ernähren und aus der Armut zu holen.

Ähnlich problematisch sei die Finanzierung: Viele UN-Ziele werden zwar feierlich verabschiedet, jedoch ohne hinreichende finanzielle und strukturelle Umsetzung. Ein Beispiel sind die Millenium Development Goals (MDGs) von 2000, die letztlich scheiterten, weil keine ausreichenden Mittel und Mechanismen hinterlegt wurden. In seiner Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (nun Chef der UNIDO) hebt Radermacher hervor, dass speziell das Ziel „Kein Hunger“ seit 2015 durch Pandemien und Konflikte wie den Ukraine-Krieg noch schwerer zu erreichen sei – die Hungerzahlen steigen sogar wieder an.


3. Entwicklungswege und internationale Vergleiche

China und Indien
China hat in den letzten Jahrzehnten Millionen Menschen aus der Armut geführt. Das gelang unter anderem durch massive Investitionen des Westens und die Integration in globale Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig hat China dabei große Umwelt- und Klimabelastungen in Kauf genommen und ist heute für rund ein Drittel der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Auch Indien wächst rasant und strebt eine Klimaneutralität bis 2070 an.

Afrika
Demgegenüber ist Afrika durch Kolonialismus, willkürliche Grenzziehungen und interne Konflikte stark zersplittert. Viele afrikanische Staaten sind wirtschaftlich schwach, haben begrenzte Infrastrukturen und leiden unter anhaltenden Auseinandersetzungen um Ressourcen. Eine eigenständige, übergreifende afrikanische Entwicklungsstrategie ist daher schwer umzusetzen. Dennoch hält Radermacher die industrielle Entwicklung und Armutsbekämpfung für unabdingbar, um soziale Spannungen und Fluchtbewegungen zu reduzieren. Denn nur aus Armut herauszukommen ermöglicht es Ländern, langfristig klimafreundlich zu agieren.


4. Energiepolitik: Stärken und Schwächen aktueller Strategien

All Electric und „Klimanationalismus“
Radermacher kritisiert das deutsche Paradigma „All Electric“ (Strom aus erneuerbaren Quellen soll alle Energiebedarfe ersetzen) als zu teuer, zu instabil und zu eng gedacht. Die Stromerzeugung deckt weltweit nur etwa ein Drittel des gesamten Energiebedarfs ab; rund zwei Drittel beruhen nach wie vor auf Brennstoffen. Zudem erzeugen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne volatile Einspeisungen, die große Speicher oder Backup-Systeme erfordern.
Er bemängelt außerdem eine Art „Klimanationalismus“, bei dem Deutschland und andere Staaten klimapolitische Maßnahmen vorrangig im eigenen Land umsetzen wollen, statt global kostengünstigere Optionen zu nutzen. Beispielsweise investiert Deutschland enorme Summen in E-Ladesäulen und Elektromobilität, während die Schweiz ihre Mittel zum Teil in Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern steckt. Dort wird mit wesentlich geringeren Kosten echtes CO₂ gebunden und zudem die Wirtschaft vor Ort belebt.

Carbon Capture und Kernkraft
Ein zentraler Baustein von Radermachers Strategie ist „Fossil mit Carbon Capture“: Fossile Brennstoffe bleiben im Einsatz, das entstehende CO₂ wird jedoch abgeschieden und in geeigneten Gesteinsschichten oder ehemaligen Erdöl-Lagerstätten eingelagert (CCS: Carbon Capture and Storage). So werden die Emissionen vermieden, ohne dass ganze Infrastrukturen und Industrien über Nacht aufgegeben werden müssen. Ein Beispiel dafür sind die USA, die bereits seit Jahrzehnten CO₂ in Pipelines transportieren, um damit in alten Förderstätten den Druck zu erhöhen und zusätzliches Erdöl/-gas zu gewinnen (Enhanced Oil Recovery).
Auch der Ausbau der Kernenergie wird weltweit wieder relevanter: China, die USA oder auch Tech-Konzerne setzen zunehmend auf Atomkraft, um verlässliche, CO₂-arme Stromquellen zu gewährleisten. Deutschland dagegen hat nach Fukushima einen radikalen Atomausstieg beschlossen, was laut Radermacher zu weiteren Kosten für den Stromsektor führt und die Energieversorgung zusätzlich verkompliziert.

Rolle der Biomasse und alternativer Kraftstoffe
Mit Blick auf Verkehr und Schwerlast betont Radermacher die Bedeutung biogener Treibstoffe wie HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), das aus Rest- und Abfallfetten hergestellt wird. Dieser Kraftstoff ist fast klimaneutral, solange er aus nachhaltigen Quellen stammt. Zudem sei Biomasse in Form schnell wachsender Hölzer (etwa für Ethanol- oder Methanol-Herstellung) ein wichtiger Baustein, jedoch nicht beliebig skalierbar. Wirklich große CO₂-Senkungspotenziale sieht er in Aufforstung, Humusbildung und Renaturierung in tropischen Regionen.


5. Aufforstung, globale Finanzierungsansätze und die Rolle des Südens

Ein Schlüsselelement in Radermachers Konzept bildet die massive (Wieder-)Aufforstung weltweit: Eine Milliarde Hektar in den Tropen könnte CO₂ in großem Stil binden. Dort ist das Baumwachstum schnell, und zugleich entstünden neue Wertschöpfungsketten in Forst- und Holzwirtschaft. Dies würde nicht nur das globale Klima stabilisieren, sondern auch Armut lindern. Voraussetzung für solche Projekte sind vertragliche Regelungen auf Augenhöhe, damit Mittel aus den Industrieländern nicht als „Almosen“ missverstanden werden, sondern als Bezahlung für reale Klimadienstleistungen.

Bilaterale Verträge statt einseitiger Entwicklungshilfe
Radermacher plädiert für langfristige Verträge zwischen der OECD (als Vertreterin der reichen Staaten) und einzelnen Entwicklungsländern, in denen sich beide Seiten verpflichten: Der globale Süden schützt Waldgebiete, forstet auf oder verbessert Böden („Dekonditionierung“ der Emissionen) und erhält im Gegenzug verbindliche Zahlungen. Diese Gelder sind kein „Freikauf“ – sie ermöglichen die Erschließung wirtschaftlicher Perspektiven. Mit unabhängigen Kontrollmechanismen (z.B. Satellitenbilder) ließe sich sicherstellen, dass Wälder tatsächlich erhalten bleiben oder neu entstehen.

Finanzierung und globaler Handel mit Emissionen
Schon das Kyoto-Protokoll von 1997 sah mit dem „Clean Development Mechanism“ (CDM) vor, dass Industriestaaten Teile ihrer Emissionsminderungen im Ausland durch Projekte erzielen können. Allerdings blieb das Volumen gering. Im Pariser Abkommen (Artikel 6.4) wird dies erneut aufgegriffen und ermöglicht den Handel von CO₂-Minderungszertifikaten auf globaler Ebene. Während einige Länder (z.B. Schweiz, Japan) bereits erfolgreich in Aufforstung investieren, sperrt sich speziell Deutschland gegen diese Form der Kompensation und setzt lieber auf „Inlandsprojekte“.
Radermacher hält diesen national orientierten Ansatz für zu teuer und wenig wirksam. Internationale Emissionsmärkte könnten stattdessen Entwicklungen im Süden anstoßen, die gleichzeitig die CO₂-Bindung verbessern, Hunger lindern und den Lebensstandard heben. Wichtig sei, dass die reiche Welt endlich große Summen bereitstellt, um den notwendigen Strukturwandel zu finanzieren – dann wären viele Länder des globalen Südens willige Partner, zum beiderseitigen Vorteil.


Fazit
Prof. Franz Josef Radermacher verdeutlicht in diesem Gespräch, dass Klimaschutz untrennbar mit Armutsbekämpfung und globalen Wirtschaftsstrukturen verbunden ist. Er kritisiert eindimensional gedachte, rein nationale Strategien (All Electric, vollständiger Verzicht auf fossile Energieträger, Klimaschutz nur im eigenen Land) und spricht sich für mehrere parallele Ansätze aus:

  • Erneuerbare Energien, aber nur bis zu einer verlässlichen 50-%-Quote im Stromsektor.
  • Nuklearenergie und Carbon Capture als wichtige Bausteine, um verlässliche Energie zu sichern.
  • Aufforstung und Bodenverbesserung im Globalen Süden, um CO₂ zu binden und zugleich neue Märkte sowie Beschäftigung zu schaffen.
  • Verbindliche Verträge zwischen OECD-Staaten und Entwicklungsländern, sodass gezahlte Mittel nicht als „Entwicklungshilfe“, sondern als Gegenleistung für konkrete Klimadienstleistungen gelten.

Nur so ließe sich ein globaler Ausgleich organisieren, in dem Wohlstand und Klimaschutz Hand in Hand gehen. Letztlich müssen die „Spielregeln“ des internationalen Systems so verändert werden, dass alle Beteiligten einen Nutzen haben – im Idealfall bis 2070 mit einer CO₂-neutralen Welt, die trotzdem wirtschaftlich dynamisch wächst und den Menschen ein gutes Leben ermöglicht.

Die vollständige Liste aller Energiegespräche finden Sie hier: https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html


Freitag, 8. November 2024

Prof. Dr. André Thess 1. Gespräch

 

Prof. Dr. André Thess im Energiegespräch

Professor Dr. André Thess erläutert seinen beruflichen Weg und seine Erfahrungen in der Kernforschung und Energiesysteme, einschließlich Stationen in Deutschland, den USA und Japan. Seine Wahl für die Energietechnik prägte sein gesamtes Berufsleben.

Das vollständige Energiegespräch mit Prof. Dr. Thess auf YouTube 

2. Der Stand der Energieumwandlungsprozesse

Der Professor beschreibt die Dominanz der Wärmekraftmaschinen (Dampfturbinen, Gasturbinen, Verbrennungsmotoren) in der gegenwärtigen Energiewelt, betont aber die Transformation hin zu erneuerbaren Energiequellen. Er erläutert die grundsätzliche Herausforderung der Energiespeicherung und die Bedeutung von Strom als "neuer Primärenergiequelle".

3. Herausforderungen bei Wärmekraftwerken und neuen Technologien

Professor Test erklärt die Notwendigkeit einer "kalten Seite" in Wärmekraftwerken (Kühlung) und geht auf Regulierungen und Technologien ein, die den Wirkungsgrad beeinflussen. Er beschreibt verschiedene Ansätze, Energie zu speichern, darunter die Carnot-Batterie, die Strom in Wärme umwandelt und diese zur späteren Nutzung speichert.

4. Energiespeicherung und deren Wirtschaftlichkeit

Die Carnot-Batterien, Wasserstofftechnologien und mechanische Speicherwerke werden hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und technischer Machbarkeit verglichen. Der Fokus liegt auf der Senkung der Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde, wobei technologische und wirtschaftliche Faktoren die zentrale Rolle spielen.

5. Die Rolle der Kernenergie

Das Thema Kernenergie wird detailliert diskutiert. Professor Test argumentiert für die Sicherheit und Effizienz der Kernenergie im Vergleich zu fossilen Brennstoffen, insbesondere unter Berücksichtigung von CO2-Emissionen und Lebensrisiken pro produzierter Energieeinheit. Die Kontroverse um die öffentliche Wahrnehmung und Medienberichterstattung in Deutschland wird ebenfalls angesprochen.

6. CO2-Vermeidungskosten und Effizienzmaßnahmen

Die Effizienz von CO2-Vermeidungsstrategien wird anhand verschiedener Beispiele (Modernisierung alter Kohlekraftwerke, Elektroautos, synthetische Kraftstoffe) erklärt. Der Professor betont die Relevanz eines einheitlichen CO2-Preises zur wirtschaftlichen Steuerung der Maßnahmen.

7. Die Wasserstoffwirtschaft

Die Vor- und Nachteile von Wasserstoff als Energiespeicher und -träger werden diskutiert. Es gibt keine technologischen Hindernisse, aber wirtschaftliche Herausforderungen, wie den Preisunterschied zwischen grünem und herkömmlichem Wasserstoff. Der Professor bleibt skeptisch gegenüber der einseitigen politischen Fokussierung auf Wasserstoff als Lösung.

8. Energiepolitik und Technologieoffenheit

Professor Test plädiert für eine technologieoffene Energiepolitik mit klaren Leitplanken, wie beispielsweise einem CO2-Preis. Er argumentiert, dass die besten Lösungen durch den Markt gefunden werden sollten und dass staatliche Eingriffe mit Vorsicht zu genießen sind.

9. Luftfahrt und Wasserstofftechnologien

Die Nutzung von Wasserstoff in der Luftfahrt wird untersucht, einschließlich der Vorteile von Wasserstoffbrennstoffzellen und den Herausforderungen der Gewichtsproblematik. Verschiedene Technologien zur Speicherung und Nutzung von Wasserstoff werden erklärt.

10. Kulinarische Thermodynamik

In einem lockeren Wechsel geht es um die Verbindung zwischen Thermodynamik und alltäglichem Kochen. Beispiele wie die Wahl der Bratpfanne für ein optimales Steak oder die Effizienz beim Wasserkochen werden humorvoll und anschaulich vermittelt. Dies zeigt, wie Thermodynamik auch im Alltag verständlich und nützlich gemacht werden kann.

Samstag, 12. Oktober 2024

Andi Fichtner im Energiegespräch

 Andi Fichtner im Energiegespräch

 Hintergrund und Motivation

Der Gesprächspartner, Andreas Fichtner, ist ein ausgewiesener Experte für Nukleartechnologie und Radiochemie, der sich stark für den Erhalt der Kernkraft einsetzt. Er begann seine Karriere an der Universität Karlsruhe und arbeitete intensiv im Bereich der nuklearen Entsorgung und Geochemie. Das Gespräch behandelt seinen Werdegang, seine Ansichten zur Kernkraft und deren Rolle in der Energiepolitik.

Das vollständige Energiegespräch mit Andreas Fichtner auf YouTube.

Radiochemie und ihre Anwendungen

Fichtner erklärt die Grundlagen der Radiochemie, die häufig missverstanden wird. Radiochemie ist nicht nur auf Atomkerne fokussiert, sondern umfasst auch Anwendungen in der Medizin, insbesondere bei der Krebsbehandlung und Diagnose. Außerdem spielt die Radiochemie eine wichtige Rolle bei der sicheren Entsorgung nuklearer Abfälle.

Politische Ansichten und Atomkraft in Deutschland

Fichtner ist ein starker Verfechter der Kernenergie, insbesondere angesichts der deutschen Energiepolitik. Er kritisiert die Entscheidung Deutschlands, aus der Kernenergie auszusteigen, und beschreibt dies als einen politisch motivierten Schritt, der gegen die Meinung vieler Experten und Bürger getroffen wurde. Besonders im Kontext der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, argumentiert Fichtner, wäre eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken sinnvoll gewesen.

Internationale Perspektiven: Atomkraft und Klimaneutralität

Während Deutschland sich von der Kernkraft abwendet, setzen viele andere Länder wie Frankreich, die USA, Japan und Finnland auf den Ausbau der Kernenergie. Fichtner betont, dass die Atomkraft eine wichtige Rolle im globalen Kampf gegen den Klimawandel spielt, da sie eine CO2-neutrale Energiequelle darstellt, die zuverlässige Grundlastenergie liefern kann. In Ländern wie Kalifornien wurde die Entscheidung getroffen, stillgelegte Kernkraftwerke zu reaktivieren, um den steigenden Energiebedarf zu decken.

Kernenergie und öffentlicher Aktivismus

Andreas Fichtner beschreibt seine Aktivitäten als Kernenergie-Befürworter, darunter eine spektakuläre Aktion, bei der er auf einen Strommast kletterte, um die Sprengung eines Kühlturms eines stillgelegten Kernkraftwerks zu verzögern. Er sieht in der Zerstörung dieser Infrastrukturen einen symbolischen Akt, der keine technische oder sicherheitstechnische Notwendigkeit hat.

Der Mythos der nuklearen Entsorgung

Ein wesentlicher Kritikpunkt, den Fichtner anspricht, ist die verbreitete Angst vor nuklearen Abfällen. Er erklärt, dass die Entsorgung von hochradioaktiven Materialien technisch machbar und sicher ist, und verweist auf erfolgreiche Beispiele aus Finnland und den USA. Die Gefahren werden seiner Meinung nach in der öffentlichen Wahrnehmung stark übertrieben, insbesondere im Vergleich zu den Gesundheitsrisiken anderer Energiequellen wie Kohle.

Schlussfolgerungen: Der Weg nach vorn für die Kernenergie

Fichtner sieht die Zukunft der Kernenergie positiv, insbesondere auf internationaler Ebene. In Deutschland jedoch kämpft er weiterhin gegen den politischen Widerstand und den symbolischen Akt der Zerstörung von Kernkraftwerken an. Seiner Meinung nach könnte Deutschland von einer offenen Debatte über die Rolle der Kernenergie profitieren, insbesondere im Hinblick auf die Erreichung von Klimazielen.

Liste aller Gespräche:

https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Samstag, 6. Juli 2024

Thomas Jam Pedersen

Energiegespräch mit Thomas Jam Pedersen

Er ist ein Mitbegründer der Firma Copenhagen Atomics.

Das vollständige Gespräch mit Pederson auf YouTube (Englisch)

Einführung in Copenhagen Atomics

Copenhagen Atomics ist ein in Kopenhagen ansässiges Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Thoriumreaktoren spezialisiert hat. Die Idee zu diesem Unternehmen entstand aus einem Meetup, das 2012 gegründet wurde, bei dem sich Interessierte in Cafés trafen, um über verschiedene Energiequellen, insbesondere geschmolzene Salzreaktoren und Thorium, zu diskutieren. Aus diesen Treffen entstanden zwei Unternehmen, eines davon war Copenhagen Atomics, gegründet von vier Personen mit unterschiedlichen ingenieurtechnischen Hintergründen.

Der Weg zur Energie

Die Gründer von Copenhagen Atomics erkannten die Bedeutung der Energie für die moderne Gesellschaft und wollten eine neue, nachhaltige Energiequelle erschließen. Sie wussten von den amerikanischen Experimenten in den 1960er-Jahren, die zeigten, dass Thorium in der Theorie als Energiequelle nutzbar ist. Das Problem bestand jedoch darin, eine Maschine zu entwickeln, die diese Energie effizient und wirtschaftlich nutzen kann. Sie waren sich bewusst, dass frühere Versuche, Thorium in klassischen Uranreaktoren zu verwenden, gescheitert waren, da die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben war.

Die Technologie des Thoriumreaktors

Thorium kann nicht direkt als Brennstoff in einem Reaktor verwendet werden. Es muss zuerst in Uran-233 umgewandelt werden, das ein hervorragender Kernbrennstoff ist. Diese Umwandlung und die Aufrechterhaltung einer stabilen Kettenreaktion im Reaktor sind Herausforderungen, die Copenhagen Atomics durch detaillierte Simulationen und technologische Innovationen zu meistern versucht. Der "Onion Core" Reaktorkern des Unternehmens hat einen Durchmesser von etwa 2,5 Metern und ist so konzipiert, dass er in einen Standard-Seecontainer passt, was den Transport und die Installation erleichtert.

Nukleare Sicherheit und Abfallmanagement

Copenhagen Atomics legt großen Wert auf die Sicherheit seiner Reaktoren und das Management des radioaktiven Abfalls. Die Reaktoren arbeiten bei atmosphärischem Druck, was das Risiko von Explosionen verringert. Der Abfall aus Thoriumreaktoren hat eine wesentlich kürzere Halbwertszeit als der aus klassischen Uranreaktoren, wodurch die Notwendigkeit für eine langfristige geologische Lagerung entfällt. Die Abfälle können nach 300 Jahren sicher in die Natur zurückgeführt werden, im Gegensatz zu den Abfällen aus herkömmlichen Reaktoren, die Tausende Jahre gefährlich bleiben.

Zukunftsaussichten und internationale Zusammenarbeit

Copenhagen Atomics plant, bis 2026 den ersten Demonstrationsreaktor in Betrieb zu nehmen und bis 2029 kommerzielle Reaktoren zu produzieren. Das Unternehmen arbeitet mit internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen, um die Technologie weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Ziel ist es, die Kosten für Kernenergie zu senken und die Produktion zu skalieren, um den weltweiten Energiebedarf nachhaltig zu decken. Dies soll auch zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen und die globale Energieversorgung sicherstellen.

Eine Liste aller Beiträge finden Sie hier:
https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Samstag, 29. Juni 2024

Dr. ir. André Wakker

Energiegespräch mit Dr. ir. André Wakker

Einführung und historischer Hintergrund

Dr. Ingenieur Andrej Wakker ist ein langjähriger Befürworter der Kernenergie und hat in verschiedenen Positionen, unter anderem bei ECN und Shell, gearbeitet. In den Jahren 2005 bis 2009 leitete er eine Gruppe, die die niederländische Regierung in Fragen der erneuerbaren Energiepolitik beriet. Bereits zu dieser Zeit warnte er vor den hohen Kosten und der Ineffizienz erneuerbarer Energien und setzte sich stattdessen für die Kernenergie ein. Er argumentiert, dass die Energiedichte und der Kapazitätsfaktor der Kernenergie überlegen sind und dass die Debatte über Kernenergie mehr ideologisch als technisch ist​​.


Dr. Ing. André Wakker im Energiegespräch auf YouTube.

Die Entwicklung der Energiequellen

Historisch gesehen begann die Menschheit mit der Nutzung von Holz als Energiequelle, das als CO₂-neutral gilt. Mit der industriellen Revolution stieg der Bedarf an Energie, und die Gesellschaft wechselte zu Kohle, da Holz nicht mehr ausreichte. Später wurde Öl bevorzugt, da es eine höhere Energiedichte und vielfältigere Anwendungsmöglichkeiten bietet. Seit den 1960er-Jahren ist die Kernenergie aufgrund ihrer hohen Energiedichte die bevorzugte Energiequelle. Die Umstellung auf verschiedene Energiequellen war stets durch das Prinzip der Energiedichte und Effizienz getrieben​​.

Sicherheitsfragen und Katastrophen

Die Sicherheit von Kernkraftwerken ist ein zentrales Thema in der Diskussion um Kernenergie. Es gab in der Geschichte drei große Unfälle: Tschernobyl, Three Mile Island und Fukushima. Tschernobyl war aufgrund eines fehlerhaften Designs und mangelnder Sicherheitsvorkehrungen katastrophal. Three Mile Island zeigte, dass die Sicherheitsmechanismen funktionierten, da trotz eines Kühlmittelausfalls keine radioaktive Freisetzung in die Umwelt stattfand. Fukushima war eine Folge eines Tsunamis, der die Notstromversorgung zerstörte, was zu einem Kernschmelzunfall führte. Trotz der Freisetzung von Radioaktivität waren die Auswirkungen auf die Umwelt relativ gering.

Klimawandel und die Rolle der Kernenergie

Dr. Wakker ist überzeugt, dass der Anstieg von CO₂ in der Atmosphäre real ist und zu einer globalen Erwärmung führt. Allerdings sieht er dies nicht als Katastrophe, sondern als Herausforderung, die durch Anpassung und technologische Lösungen gemeistert werden kann. Er kritisiert die Schließung von Kernkraftwerken in Anbetracht des Klimawandels als unlogisch und heuchlerisch. Die Kernenergie bietet eine emissionsarme Alternative, die wesentlich zur Reduktion von CO₂ beitragen kann. Anpassungsstrategien, wie sie in den Niederlanden bei der Wasserinfrastruktur angewendet werden, könnten weltweit helfen, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Zukunftsaussichten und technologische Innovation

In der Zukunft sieht Dr. Wakker eine verstärkte Nutzung der Kernenergie als Hauptquelle der Energieversorgung. Er glaubt, dass die Innovation in der Nukleartechnologie, einschließlich kleinerer Reaktoren und Thorium-Flüssigsalzreaktoren, weiter voranschreiten wird. Diese Technologien könnten nicht nur Elektrizität, sondern auch industrielle Prozesse effizienter gestalten. Zudem sieht er das Potenzial für eine verstärkte Nutzung von Wasserstoff aus Kernkraftwerken. Langfristig wird die Mehrheit der Energieversorgung durch Kernenergie gedeckt sein, unterstützt durch erneuerbare Energien in einigen Regionen. Der Fortschritt in der Kernfusion wird zwar weiter erforscht, jedoch wird er nicht als kurzfristige Lösung gesehen.

Schlussfolgerung

Die Diskussion um die Zukunft der Energieversorgung ist stark von ideologischen und politischen Überzeugungen geprägt. Dr. Wakker plädiert für eine pragmatische Herangehensweise, die auf wissenschaftlichen Fakten und technologischen Innovationen basiert. Er fordert mehr sachliche Diskussionen und weniger ideologisch getriebene Entscheidungen, um die Herausforderungen des Klimawandels und der Energieversorgung nachhaltig zu bewältigen.

Eine Liste aller Beiträge finden Sie hier:

https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html

Samstag, 18. Mai 2024

Dr. habil. Thomas Petersen, Demoskopie

Zusammenfassung des Energiegesprächs mit
Dr. habil. Thomas Petersen

Im Interview wird Dr. habil. Thomas Petersen, Meinungsforscher und Kommunikationswissenschaftler am Institut für Demoskopie in Allensbach, zu verschiedenen Themen der Meinungsforschung befragt. Er betont die Bedeutung der Medien bei der Veränderung öffentlicher Meinungen, insbesondere bei der Kernenergie. 

Das Energiegespräch mit Thomas Petersen vom demografischen Institut Allensbach

Elisabeth Noelle-Neumann 

Petersen erläutert, dass seine Karriere in der Demoskopie durch Zufall und die Förderung von Elisabeth Noelle-Neumann begann. Das Institut arbeitet hauptsächlich mit repräsentativen Umfragen, die aus methodischen Gründen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung befragen. Dabei ist es wichtig, dass diese Stichproben die Bevölkerung genau widerspiegeln.

Datenerhebung

Er beschreibt die drei Hauptmethoden der Datenerhebung: persönliche Befragungen, Telefonumfragen und Online-Umfragen. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, wobei persönliche Befragungen oft als besonders zuverlässig gelten. Bei Online-Umfragen gibt es das Problem, dass die Teilnehmer freiwillig und somit möglicherweise nicht repräsentativ sind. 

Petersen betont, dass Befragungen sorgfältig gestaltet werden müssen, um Verzerrungen zu vermeiden. Er erklärt, dass manche Antworten durch soziale Erwünschtheit beeinflusst werden können, aber dass die meisten Menschen ehrlich antworten. 

Änderung der Meinung zur Kernenergie durch Medien

Ein zentrales Thema ist die Veränderung der öffentlichen Meinung zur Kernenergie, die Petersen auf die langjährige Berichterstattung und die negative Darstellung in den Medien zurückführt. Er beschreibt, wie die Medienberichterstattung die öffentliche Meinung beeinflusst, und verweist auf die Bedeutung der systematischen Medieninhaltsanalyse.

Petersen geht auch auf die Herausforderung ein, neue politische Parteien wie die AfD zu bewerten. Er erklärt, dass nicht alle Wähler dieser Partei radikal sind, sondern dass viele aus Protest oder aufgrund spezifischer Themen wie Einwanderung die AfD wählen.

Direkte Demokratie

Die Rolle der direkten Demokratie wird diskutiert, wobei Petersen die Schweizer Kultur der politischen Verantwortung lobt, aber Bedenken äußert, ob ein ähnliches System in Deutschland funktionieren könnte.

Er spricht auch über die Herausforderungen der Meinungsforschung in einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft. Obwohl sich die Methoden und Werkzeuge der Demoskopie weiterentwickeln, betont Petersen, dass das Grundprinzip der repräsentativen Stichprobe unverändert bleibt.

Zukunft

Abschließend reflektiert er über die Zukunft der Meinungsforschung im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Während KI nützlich sein kann, um große Datenmengen zu analysieren, bleibt die menschliche Expertise in der Gestaltung und Interpretation von Umfragen unverzichtbar.

Eine Liste aller Gespräche findet sich auf https://energiespeicher.blogspot.com/p/energiegesprache-mit-eduard-heindl.html


Samstag, 20. April 2024

Rezzo Schlauch

 Die Zusammenfassung des Gesprächs mit Rezzo Schlauch, ehemaliger Parlamentarier und Staatssekretär der Grünen

Das Gespräch befasst sich hauptsächlich mit der politischen Karriere und den Ansichten von Rezzo Schlauch, einem Mitglied der Grünen Partei. Schlauch spielte eine signifikante Rolle in der deutschen Umwelt- und Energiepolitik, insbesondere während seiner Zeit als parlamentarischer Staatssekretär. Er reflektiert über die Herausforderungen und Erfolge der Grünen Partei, vornehmlich in Bezug auf die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Einführung von Umweltstandards.


Das vollständige Gespräch mit Rezzo Schlauch auf YouTube.

Ein zentraler Aspekt des Gesprächs ist die Diskussion über die deutsche Energiewende und die Entscheidungen, die nach dem Fukushima-Unfall getroffen wurden, um Atomkraftwerke in Deutschland schrittweise abzuschalten. Schlauch kritisiert die Politik dieser Zeit als zu zaghaft und fordert eine konsequentere Umsetzung der Energiewende.

Weiterhin thematisiert er die Schwierigkeiten, die mit der Förderung erneuerbarer Energien verbunden sind, darunter technologische und wirtschaftliche Herausforderungen sowie die Notwendigkeit, die öffentliche und politische Unterstützung für solche Initiativen zu stärken. Schlauch hebt hervor, wie wichtig es ist, innovative Ansätze in der Energiepolitik zu verfolgen, um langfristig eine nachhaltige und sichere Energieversorgung sicherzustellen.

Das Gespräch bietet einen Einblick in die interne Dynamik und die Herausforderungen der Grünen Partei und reflektiert über die Rolle der Partei in der deutschen Politik über die Jahre. Schlauch diskutiert auch die Bedeutung der Grünen für die deutsche und globale Politiklandschaft und betont die Notwendigkeit von einem anhaltenden Engagement in Umwelt- und Energiefragen.



Mittwoch, 17. April 2024

Prof. Dr. Jens Seiffert-Brockmann

Zusammenfassung des Gesprächs zu den Themen Vertrauen, Medien und Kernenergie:

In diesem Gespräch erörtert Professor Dr. Jens Seiffert-Brockmann, ein Experte im Bereich Kommunikation, wie Medien dazu beitragen können, ein Gefühl der Nähe zu bestimmten Themen herzustellen. Er verwendet das Beispiel der Atomenergie, um zu veranschaulichen, wie tiefgehend und langanhaltend die mediale Darstellung die öffentliche Wahrnehmung von Risiken beeinflussen kann. Seiffert-Brockmann hebt hervor, dass viele Menschen nicht erkennen, dass höhere Strahlenbelastungen in der Luftfahrt ein vergleichbares Risiko darstellen können, weil dieses Wissen nicht medial hervorgehoben wird.


Gespräch zwischen Jens Seiffert-Brockmann und Eduard Heindl

Er spricht über seine akademische Laufbahn und wie er durch Zufall auf das Thema Vertrauen gestoßen ist, während er bei Günther Bentele promovierte. Seine Dissertation beschäftigte sich mit Vertrauen aus der Perspektive der Mediengesellschaft, angeregt durch politische Entscheidungen und deren Revisionen, wie sie nach dem Atomunfall in Fukushima zu beobachten waren.

Seiffert-Brockmann diskutiert auch die evolutionäre Psychologie des Vertrauens und seine Auswirkungen auf Energiepolitik und Energiewirtschaft. Er betont die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Vertrauen: persönliches Vertrauen und Vertrauen in abstrakte Konstrukte wie Medien oder Technologie. Laut dem deutschen Soziologen Niklas Luhmann ist Vertrauen eine Entscheidung, die man unter Risiko trifft, was sich sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene manifestiert. Der Professor spricht auch über die Rolle der Medien in der Vertrauensbildung und wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit eng miteinander verbunden sind. Er schließt mit der Erörterung, wie Medien historisch Informationen verbreitet haben, von Flugblättern bis hin zu modernen digitalen Plattformen.

Vertrauen in der Mediengesellschaft

Im Gespräch analysiert Professor Dr. Jens Seiffert-Brockmann den Einfluss von Medien auf die Gesellschaft und betont, wie technologische Entwicklungen die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen und Vertrauen bilden, verändert haben. Er verweist auf historische Beispiele, beginnend mit der Buchdruckerkunst, die Martin Luther nutzte, um die Kirche herauszufordern und die Reformation anzustoßen. Dieses Beispiel illustriert, wie Medien gesellschaftliche und kirchliche Autoritäten infrage stellen können.

Seiffert-Brockmann führt weiter aus, dass nachfolgende Medienevolutionen, wie das Radio und später das Fernsehen, die direkte Kommunikation mit dem Publikum ermöglichten und so die öffentliche Meinung beeinflussten. Insbesondere hebt er hervor, dass das Radio in den 1920er Jahren eine neue Nähe und Direktheit in die Wohnzimmer brachte, was den Einfluss der Sender verstärkte.

Er erörtert auch die heutigen Herausforderungen im Journalismus und Medien, insbesondere im Hinblick auf das Vertrauen und die kritische Funktion der Medien. Dabei betont er, dass in der modernen digitalen Ära durch das Internet und soziale Medien eine beispiellose Informationsvielfalt herrscht. Dies führt zu einer Bestätigungsneigung (confirmation bias), wo Nutzer dazu tendieren, Informationen zu suchen und zu konsumieren, die ihre bestehenden Ansichten bestätigen.

Zusätzlich spricht Seiffert-Brockmann über die Rolle der Unternehmen in der Medienlandschaft. Früher waren Medien stark von Unternehmenswerbung abhängig, während heute Unternehmen ihre eigenen Medienkanäle über soziale Netzwerke und das Internet steuern, was die traditionelle Beziehung zwischen Medien und Werbung verändert hat.

Zusammenfassend thematisiert das Gespräch die Entwicklung der Medien und deren Einfluss auf das gesellschaftliche Vertrauen sowie die Herausforderungen, die sich aus der modernen Medienlandschaft und dem digitalen Wandel ergeben.

Medien und Unternehmen

In der Diskussion thematisiert Professor Dr. Jens Seifert Brockmann die Verantwortung und Einflüsse der Medien sowie die Rolle von Unternehmen und Politik in der medialen Berichterstattung. Er beleuchtet, wie die Medientechnologien und die Art der Berichterstattung das gesellschaftliche Verständnis und die Wahrnehmung prägen können. Besonders betont er die Verantwortung der Medien, die öffentliche Meinung informiert und ausgewogen zu halten, um eine fundierte Demokratie zu unterstützen.

Seifert Brockmann diskutiert weiterhin die Herausforderungen im Journalismus, die durch wirtschaftlichen Druck entstehen, und wie dieser Druck Medienhäuser beeinflusst, Inhalte zu produzieren, die nicht unbedingt die tieferen, weniger "marktattraktiven" Themen behandeln. Er argumentiert, dass die öffentlich-rechtlichen Medien durch ihre Finanzierungsmodelle eine wichtige Rolle spielen, indem sie Themen aufgreifen, die in rein marktorientierten Medien weniger Beachtung finden könnten.

Fake News

Der Professor hebt auch die Problematik der sogenannten "Fake News" hervor. Er erklärt, dass das Phänomen nicht neu ist und historisch gesehen immer genutzt wurde, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Er stellt fest, dass in der modernen Medienlandschaft oft eine falsche Ausgewogenheit hergestellt wird, indem kontroverse Meinungen gleichgewichtet dargestellt werden, selbst wenn sie wissenschaftlich nicht haltbar sind. Dies kann zu einer verzerrten öffentlichen Wahrnehmung führen und trägt zu einer Polarisierung der Gesellschaft bei.

Abschließend spricht Brockmann über die strategische Kommunikation von Unternehmen und politischen Akteuren. Er diskutiert, wie diese Gruppen Medien nutzen können, um ihre Interessen zu fördern, oft auf Kosten einer objektiven und unparteiischen Berichterstattung. Dies umfasst auch die Manipulation von Informationen, um den Diskurs in eine bestimmte Richtung zu lenken oder Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu säen, wie beispielsweise in den Debatten um den Klimawandel und die Kernenergie. Er betont die Notwendigkeit einer kritischen und informierten Medienlandschaft, die fähig ist, solche Einflüsse zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Vertrauen in politische Maßnahmen

Im umfangreichen Diskurs erläutert Professor Dr. Jens Seiffert-Brockmann, wie unterschiedliche Faktoren das Vertrauen der Bevölkerung in politische Maßnahmen und Technologien, insbesondere in Bezug auf Kernenergie und die COVID-19-Pandemie, beeinflussen. Er beleuchtet, wie historische, kulturelle und soziale Faktoren zusammen mit Medieneinflüssen die öffentliche Meinung und individuelle Überzeugungen prägen.

In Bezug auf die Pandemie zeigt er auf, wie unterschiedliches institutionelles Vertrauen in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Ansätzen in der Pandemiebekämpfung führte. Länder wie Schweden vertrauten darauf, dass ihre Bürger den Empfehlungen folgen würden, während in anderen Ländern strengere Maßnahmen ergriffen wurden.

Bezüglich der Kernenergie diskutiert er, wie in Deutschland einst breite Unterstützung vorhanden war, die sich jedoch im Laufe der Zeit durch verschiedene Einflüsse, insbesondere durch Umweltbewegungen und Medienberichte über nukleare Unfälle, gewandelt hat. Ereignisse wie Tschernobyl und Fukushima führten zu einem starken Umschwung in der öffentlichen Meinung gegen die Kernenergie.

Seiffert-Brockmann betont auch, wie die mediale Darstellung und politische Rhetorik das öffentliche Verständnis und das Vertrauen in Themen wie Kernenergie und Klimawandel beeinflussen. Er spricht von "Framing", also wie Medien und Politiker bestimmte Themen darstellen und dadurch die öffentliche Meinung formen.

Einfluss kleiner Gruppen

Abschließend reflektiert er über die Dynamik der Demokratie und wie kleine politische Gruppen großen Einfluss auf die Politik ausüben können. Dies wirft Fragen nach der Repräsentation und dem Einbezug der breiten Bevölkerung in politische Entscheidungen auf. Die Diskussion unterstreicht die Bedeutung einer transparenten und inklusiven Kommunikation in der Politik, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen und zu bewahren.

In der ausführlichen Diskussion analysiert Professor Dr. Jens Seiffert-Brockmann die vielschichtigen Herausforderungen der Kommunikation in Politik und Medien und wie diese das Vertrauen und die Meinungen der Öffentlichkeit beeinflussen. Er hebt hervor, dass nicht nur die Qualität der Kommunikation, sondern auch die Substanz der politischen oder wissenschaftlichen Botschaften entscheidend ist, um die öffentliche Meinung zu formen und Vertrauen zu gewinnen.

Abstrakte Gefahren

Professor Seiffert-Brockmann betont die Komplexität der Themen wie Kernenergie und Klimawandel und wie diese durch Medien und politische Rahmenbedingungen (Framing) vermittelt werden. Er diskutiert, wie abstrakte Gefahren, wie die Strahlung von Kernkraft oder das Virus bei COVID-19, schwieriger zu kommunizieren und zu verstehen sind, da sie nicht direkt wahrnehmbar sind. Dies führt dazu, dass die Medien und politische Akteure eine besondere Rolle bei der Gestaltung der öffentlichen Wahrnehmung dieser Themen spielen.

Weiterhin spricht er über die Dynamik der Energiewende in Deutschland und die Herausforderungen der politischen Kommunikation, die notwendig ist, um komplexe Themen wie die Umstellung von Energiequellen verständlich zu machen. Die Diskussion zeigt auf, wie politische Entscheidungen oft durch die Brille verschiedener Interessen und Überzeugungen gesehen werden, was zu unterschiedlichen Reaktionen in der Bevölkerung führt.

Zusammengefasst liefert das Gespräch einen tiefen Einblick in die Interaktion zwischen Medien, Politik und Öffentlichkeit und betont die Notwendigkeit einer klaren, verständlichen und ehrlichen Kommunikation, um in komplexen politischen und wissenschaftlichen Debatten erfolgreich zu sein.

(Das Gespräch wurde von Eduard Heindl unter Zuhilfenahme von KI zusammengefasst.)

Samstag, 3. Dezember 2022

Gerd Ganteför im Energiegespräch mit Eduard Heindl

 Energiegespräche

Inzwischen habe ich viele Beiträge zum Thema Energie hier publiziert. Damit die Qualität weiter wächst, werde ich jetzt regelmäßig Experten zu verschiedenen Themen aus dem Energiebereich interviewen. Dazu besuche ich die Experten und nehme mir ausführlich Zeit, um die Antworten auch besser zu verstehen. Mir gefällt es nämlich nicht, wenn nur kurze Aussagen abgegeben werden und dabei nur Schlagworte fallen.

Das erste Interview mit Prof. Dr. Gerd Ganteför dauerte über eine Stunde und ist jetzt online auf meinem YouTube Channel zu sehen.

Es geht um die Fragen, wie kritisch ist der Klimawandel, wie viel Energie können wir sparen und gibt es eine Chance für die Kernenergie.

Weitere Beiträge werden regelmäßig folgen, mindestens einer im Monat oder auch mal zwei. Da ich mit diesem Kanal kein Geld verdienen will, sondern hochwertige Informationen sammeln will, bleibt der Kanal auch erst mal werbefrei.

Ich freue mich über viele Zuschauer und natürlich die obligatorischen Likes!

Bisherige Videos:

  1. Professor Ganteför, Wohlstand, Energie, CO₂, Kernenergie
  2. Professor Eberhard, USA, Energieverbrauch, Solarenergie
  3. Dr. Nico Wehrle, Energiespeicher und Kosten
  4. Professor Münch, Energieforschung, Wind, Wasserstoff 
  5. Robert Werner, Wärmewende, Stadtwerke, Politik

Übersicht: Energiegespräche



Samstag, 5. Februar 2022

Die vier Probleme der Energiewende

 Die vier Probleme der deutschen Energiewende

Mit der raschen Zunahme der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre und bekannten Problem des Klimawandels, ist allen Ländern klar, dass die Emission von CO₂ praktisch völlig eingestellt werden muss.
Deutschland will hier Vorreiter sein und hat daher eine ungewöhnliche Agenda unter der neuen rot-grün-gelben Regierung aufgelegt. Die Energieversorgung soll in wenigen Jahren auf Wind und Sonne umgestellt werden. Geht das? Genau dieser Frage möchte ich in diesem Blog-Post nachgehen.


Die vier Reiter der Apokalypse
von Albrecht Dürer dargestellt.
      • Solarenergie im Winter
      • Windenergie und Flaute
      • Speichertechnik
      • Deutschland und Kernenergie

Solarenergie

Ohne Frage ist die Sonne die wichtigste Energiequelle für die Erde. Doch kann man die Energie auch für die Bedürfnisse eines Landes auf dem 51. Breitengrad nutzen? Zunächst muss man klar feststellen, dass die Umwandlung von Solarenergie in elektrischen Strom in den letzten zwanzig Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, insbesondere ist der Preis von Solarmodulen dank Massenfertigung in China drastisch gesunken. 
Ich empfinde Solarenergie als gut!
Hier an einer 10 MW Anlage von Prof. Enebish in der Mongolei

Selbst unter deutschen Wetterbedingungen kann unter günstigen Umständen, Freiflächenanlage in Süddeutschland und niedrige Zinsen, ein Preis von ca. 5 ct/kWh [1] realisiert werden. In diesem Beitrag werde ich nicht auf die letzte Kommastelle eingehen, um die Fragen übersichtlich zu halten.

Das Problem ist der Winter

Der Erzeugungspreis von 5 ct/kWh funktioniert aber nur, wenn jemand den Strom unabhängig vom Bedarf, das ganze Jahr über zu dem Preis abnimmt, genau das tut das EEG. Das führt dazu, dass im Sommer, mittags, in Zukunft wesentlich mehr Strom erzeugt wird als benötigt wird oder das Stromnetz aufnehmen kann. 
Im Winter ist es genau anders, zu dieser Jahreszeit erzeugen die 50 GW Solarzellen, die aktuell in Deutschland installiert sind, nur ein Prozent der in Deutschland benötigten elektrischen Energiemenge. Insbesondere die Monate November, Dezember, Januar, sind das Problem, wie die Abbildung zeigt.

Jahresverlauf der Solarenergieproduktion in Deutschland [2]

Zur Lösung des Problems benötigen wir Stromspeicher, oder wir versuchen es mit Windenergie, die im Winter besser zur Verfügung steht.

Wind ist ein launischer Freund

Wind weht in Europa im Winter stärker als im Sommer, das liegt an der Temperaturdifferenz zwischen den sehr kalten Polarregionen im arktischen Winter und dem relativ warmen Golfstrom sowie komplexen Windmustern auf der Nordhalbkugel. Es sei angemerkt, dass aufgrund der verstärkten Erwärmung der Polarregion die Windgeschwindigkeiten generell auf der Nordhalbkugel abnehmen könnten. Da CO₂ die Wärmeabstrahlung überall behindert, aber die Wärmeeinstrahlung in Richtung Äquator auch in Zukunft hoch bleibt.  
Das Problem mit dem Wind ist weniger der Winter, sondern die Verteilung der Hochdruckgebiete in Europa, die dazu führen können, dass über Wochen kaum Wind weht. 
Eine neun Tage anhaltende Flaute
bei der Windstromerzeugung im November 2021 [3].

In dem Bild sieht man eine typische Flaute von 9 Tagen im November 2021, solche Flauten können aber auch noch etwas länger dauern. Kein aktuell verfügbarer Speicher kann diese Zeit überbrücken, die deutschen Pumpspeicher, die immerhin 40 GWh speichern können, wären nach 30 Minuten leer, wenn man den Strombedarf im Land aktuell decken wollte.

Windkraftwerke moderner Bauart
sind alles andere als eine Zier im Naturpark.

Speicher sind teuer

Viele Leser des Speicherblogs werden den Preis von Speichern kennen, er ist hoch. Batterien kosten unter günstigen Umständen 100 €/kWh. Um damit einen Tag deutschen Strombedarf zu überbrücken, müsste man eine Kapazität von 2.000 GWh, was 2.000.000.000 kWh entspricht, aufbauen. Das würde 200 Mrd. kosten, mehr als die, nicht ganz billige, Energiewende bisher gekostet hat. Um aber eine echte Dunkelflaute zu bewältigen, müsste man diesen Wert nochmals verzehnfachen.

Könnte der Lageenergiespeicher eine Alternative sein?
Noch hat sich kein Investor gefunden.


Alternativen sind Wasserstoff  oder synthetisches Methan. Elektrolytisch Wasserstoff im GW-Bereich herzustellen, hat noch keiner realisiert, typische Anlagen sind um den Faktor tausend kleiner und liegen im MW-Bereich. Die Pläne, das in 10 Jahren umzusetzen, ist neben den Kosten der Anlagen, den Bedarf an speziellen Rohstoffen, Platin, und der Schwierigkeit der Skalierung zumindest sehr sportlich.

Doch das Problem bei Wasserstoff ist noch schwerwiegender, der System-Wirkungsgrad liegt unter 50%, was enorme zusätzliche Konverter auf Basis von Solar- und Windkraftanlagen erfordert.
Zudem ist Wasserstoff nicht leicht zu speichern und noch schwerer zu transportieren, es bedarf also noch einer weiteren Infrastruktur. Die Alternative auf Methan auszuweichen, verschlechtert den Wirkungsgrad auf 25%, mit entsprechenden Folgen für den Strombedarf entsprechender Anlagen.

Drei komplette Energiesysteme

Die Energiewende erfordert eigentlich drei komplett neue Energiesysteme: Zunächst die Stromgeneratoren auf Wind und Sonnenbasis, die um den Faktor 10 ausgebaut werden müssen.
Dann ein System, das den Solarstrom im Sommer vom Tag in die Nacht verschiebt, also Batterien mit einer Kapazität von 2000 TWh. Und als Drittes ein komplettes Backup auf Erdgasbasis, das es gewährleistet, dass in einem Industrieland auch im kalten Winter die Energieversorgung gesichert ist. Dazu muss die Kapazität der Erdgaskraftwerke um den Faktor 10 auf mindestens 100 GW ausgebaut werden. Diese Kraftwerke haben dann eine Belegschaft, die nur wenige Wochen im Jahr benötigt wird, neben der Arbeitsplatzpsychologie, ein teures Vergnügen.
In der Summe findet man, so in der Dissertation von Nico Wehrle nachzulesen, dass der Strompreis auf 19 ct/kWh ab Kraftwerk steigt, der bisher bei 5 ct/kWh lag. Steuern und diverse Abgaben sind hier nicht berücksichtigt.

Deutschland und Kernenergie

Die ganze CO₂-Problematik wäre mit Kernenergie leichter zu lösen. Kernenergie ist die sicherste und umweltfreundlichste Energie. Das ist aber in Deutschland praktisch nicht zu vermitteln. Ich will es trotzdem versuchen. Zur Frage der Sicherheit ist es sinnvoll einen Vergleich der Todesopfer pro erzeugter TWh Strom anzustellen. Das Resultat verblüfft:

Die Kernenergie hat mit 0,04 Todesopfer pro TWh das geringste Risiko [4].

Bisher sind bei dem Reaktorunfall in Tschernobyl weniger als 200 Menschen zu Tode gekommen. Sieht man pessimistisch weitere 4000 Tote infolge von Krebs, hat man praktisch alle Todesopfer der Kernenergie berücksichtigt. Allen die Luftverschmutzung der Kohlekraftwerke und anderer Emittenten, hat in Europa in den letzten zehn Jahren 500.000 Todesopfer gefordert.
Was hier meist übersehen wird, ist die enorme Energiemenge, die weltweit 400 Kernkraftwerke kontinuierlich liefern.

Auch die CO₂-Bilanz ist hervorragend:

Kernenergie hat die geringsten CO₂-Emissionen
aller steuerbaren Energiequellen [5].

Mit 25 Gram pro kWh liegt die Kernenergie weit vor Erdgas, aber auch vor Fotovoltaik, Biogas und Holz. Die Studie stammt aus der Schweiz, international findet man auch Studien, die der Kernenergie nur 4 Gramm pro kWh zuordnen.

Warum ist dann Kernenergie ein Problem?
  • Zur Zeit der Entstehung der Antiatombewegung, in den '70er-Jahren des 20. Jahrhunderts, war noch nicht klar, wie gut Kernenergie beherrscht wird. Viele hatten mit mehr Unfällen und wesentlich schlimmeren Folgen bei den Unfällen gerechnet. Die Menschen hatten die Atombomben noch vor Augen, von denen bis dahin die unglaubliche Zahl von 2000 gezündet wurden [6]!
  • Das CO₂-Problem war nicht präsent, der Club of Rome Bericht "Limits to Growth" aus dem Jahre 1972 [6] hat es noch nicht einmal erwähnt. Die Angst war damals das Ende der Rohstoffe, von Blei bis Öl sollte fast alles bis zum Jahr 2000 ausgehen.
Doch inzwischen sind 50 Jahre in das Land gegangen und wir sollten uns auf die Kernenergie rückbesinnen, moderne Reaktoren bauen und nicht das Industrieland Deutschland mit einer überhasteten Energiewende überfordern.

Sonst endet das wieder einmal, um mit Mephisto in Goethes Faust zu sprechen: 
"Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das böse will und stets das gute schafft,..."

Nein, wir machen es umgekehrt hierzulande:
"Wir sind ein Teil von jener Kraft, 
die stets das Gute will und stets das Böse schafft!"

Weitere Blogbeiträge:

Quellen:

[1] Bundesnetzagentur durchschnittlicher Zuschlag für Fotovoltaik Freiflächenanlagen 2021
[2] ZSW, BDEW, Stand 12/2021
[3] Fraunhofer ISA, Energy-Charts
[5] PSI/ESU Services 2012, Werte für die Schweiz
[6] Anzahl der Atomwaffentests nach Wikipedia
[7] Club of Rome https://www.clubofrome.org/publication/the-limits-to-growth/

Sonntag, 17. Oktober 2021

Der Ökostromschwindel

Der Ökostrom-Schwindel

Jeder Mensch will der Natur so wenig Schaden zufügen wie er kann. Mit diesem Wissen haben einige Händler ein Produkt auf den Markt gebracht, das als 100% Naturstrom, Reiner ÖkoStrom oder sogar als zertifizierter ÖkoStrom auf dem Markt angepriesen wird. Gibt es solchen Strom wirklich oder ist das eine große Augenwischerei? 

Strom als Produkt

Früher kam der Strom aus der Steckdose, heute kommt er vom Ökostromhändler? Nein, der Strom kommt immer noch aus der Steckdose und das ist gerade die Eigenschaft, die Strom als Energieform so überlegen  macht. Damit aber der Elektroherd oder die Umwälzpumpe der Heizung oder irgendein anderes Gerät an der Steckdose funktioniert, muss genau die Menge elektrischer Energie erzeugt werden, die das Gerät verbraucht, und zwar genau in dem Moment. Genaugenommen müssen sogar 10% mehr Energie erzeugt werden, da  all die Leitungen und Transformatoren, die das Stromnetz bilden, gewisse Verluste haben. Aber das sei jetzt nicht das Thema.



Viel entscheidender ist, dass wir am Ende des Monats für all den Strom, den wir konsumiert haben, eine Rechnung zahlen, die auf Basis der Stromzählung, am Stromzähler im Haus, berechnet wird. Und das Geld geht dann an den Stromhändler. Der Stromhändler verkauft uns also das Produkt elektrische Energie.
Doch woher hat der Stromhändler den Strom? Der kauft den Strom bei einem Stromproduzenten, etwa einem Windpark, einem Kohle- oder Atomkraftwerk ein. 

Das Problem ist die Zeit

Wäre Strom ein lagerbares Gut, so könnte ein "Öko-Stromhändler", genauso wie der Öko-Gemüsehändler, den Strom nur dort einkaufen, wo keine Umweltbelastung, etwa durch Kohleverbrennung, entsteht. Das geht aber nicht! Kein einziger Ökostromhändler ist in der Lage, Strom zu speichern und dann zu liefern, wenn der Strom benötigt wird. Der Ökostromhändler liefert daher ca. 60% der Zeit Strom aus Kohle- oder Braunkohlekraftwerken, mit einigen Prozent Atomstrom und weniger als 3% Wasserkraft.



Dem Kunden wird aber erzählt, dass sein Strom aus sauberen Quellen kommt, zumeist wird der Anschein erweckt es sei reiner Solar- und Windstrom. Der Gemüsehändler, der bei seinen Biokarotten 60% normale Karotten dazugibt, würde schnell ein Verfahren wegen Betrugs bekommen. Völlig unbegreiflich ist für mich, warum das bei Strom nicht der Fall ist.

Würde ein Ökostromhändler tatsächlich nur Solar- und Windenergie verkaufen, wären die Steckdosen heute zu 60% der Zeit ohne Strom. Aber er könnte sich ja eine große Batterie oder ein Wasserstoffsystem zulegen, das tatsächlich den Strom speichert. Dann wäre die Bezeichnung Ökostrom korrekt. Aber das macht natürlich kein einziger Anbieter, da sein Strom, aufgrund der enormen Kosten für die Speicherung, mindestens das Dreifache kosten würde.

Politische Auswirkung dieses Betrugs

Da unsere Regierungen der letzten 20 Jahren diesen Betrug geduldet oder sogar gefördert haben, glauben inzwischen viele Verbraucher, insbesondere jene, die "Ökostrom" beziehen, dass es möglich ist, auf 100% Solar und Windenergie umzusteigen. Einfach genügend PV-Kraftwerke aufstellen, noch ein paar Windparks in die Nordsee und Naturschutzgebiete in den deutschen Mittelgebirgen mit 270 Meter hohen Windkraftwerken ausstatten, und wir können die Atomkraftwerke abschalten, Kohle und Braunkohlekraftwerke schließen und sind CO₂ frei.



Nein, das funktioniert leider nicht, wenn man echten Ökostrom will, dann muss man die notwendigen Speicher dazu bauen. Und wenn man die Zahlen genau analysiert, und genau das haben wir in der Dissertation von Nico Wehrle getan, dann verursachen nicht die vielen Solar- und Windkraftwerke die Kosten, nein, die Kosten der Speicher sind um den Faktor 2-3 teurer als all die Konverter von Umgebungsenergie.

Das führt dazu, dass viele Menschen Parteien gewählt haben, die in ihren Programmen behaupten, für geringe Kosten, "Die Sonne schickt keine Rechnung", könnten wir alle thermischen steuerbaren Kraftwerke abschalten.

Die Folgen dieses Schwindels werden uns daher eine Zukunft bereiten, in der Strom entweder extrem teuer wird, der Strom aus französischen, polnischen, niederländischen, schweizerischen und tschechischen Atomkraftwerken kommt, oder in der wir selbst CO₂ freie Kernkraftwerke bauen. 

Doch es gibt noch eine Alternative, kein Strom, wenn der Wind nicht weht, das nennen die Grünen dann angebotsorientierter Strommarkt. Bitte schon mal warm anziehen, wenn bei mangelnden Angebot die Küche kalt bleibt und die Umwälzpumpe nicht arbeitet.